Besuch des Projektdorfs Taca Copa - Aktion Sodis

Alle Verhandlungen sind geführt, die Schule evaluiert, mit dem Workshop letzte Woche motiviert und nun steht endlich der Besuch in unserem ausgewählten Projektdorf Taca Copa bei San Pedro an. Wir erwarten mit Spannung, was da kommen mag, denn auf das Maß an Konkretheit, welches unser Projekt mit diesem Besuch erlangen wird arbeiten wir seit gut einem Jahr hin.

Sonntagmorgen um 6 Uhr verlassen wir das Haus und fahren gemeinsam mit Vicky und Wilson, Mitarbeitern von Sodis, nach San Pedro. 8 Stunden Busfahrt über Stock und Stein liegen da noch vor uns und wir machen es uns erstmal bequem.
Zwei Stunden außerhalb Cochabambas verändert sich dann langsam die Szenerie. Vor uns tauchen die ersten Berge auf und Passstraßen führen uns durch beeindruckend bunte Felsformationen, nur kurz unterbrochen von einem Stopp um das obligatorische „pollo picante“ (ein scharfes Hähnchengericht) zu uns zu nehmen. Zur Abendsonne erreichen wir dann San Pedro. Ein schönes Städtchen in den Bergen, von wo aus Sodis die Projekte der Region koordiniert. Wir besprechen mit Vicky und Wilson den Ablauf des Dorfbesuches und fallen ins Bett.

Der nächste Morgen beginnt früh, jedoch nicht freiwillig, weil die beiden Hähne vor unserem Zimmer der Meinung sind, dass man um 5 Uhr aufstehen sollte. Aber gut, um 7 Uhr sind wir eh mit Sodis verabredet um uns auf den Weg nach Taca Copa zu machen, wo man uns um 8 Uhr mit einer Dorfversammlung erwartet.

Eine gute Stunde später schultern wir in wunderschöner Kulisse unsere Rucksäcke für die letzten Meter zum Dorf. Taca Copa, mit seinen 21 Familien, liegt am Hang vor einer Bergkette auf ca. 3200m über dem Meeresspiegel.

Für den ersten Tag haben wir uns viel vorgenommen. Zuerst stellen Vicky und Wilson uns den Dorfbewohnern vor und wir erklären ausführlich die Projektidee. Außerdem bietet die Schule Sayarinapaj an, Schüler aus dem Dorf auszubilden und mit Stipendien zu unterstützen. Besonders diese Bildungskomponente stößt bei den Dorfbewohnern auf großes Interesse und man berichtet uns, dass die Weiterentwicklung des Dorfes für die Bewohner von hoher Bedeutung sei.

Während wir uns mit den Repräsentanten aller Personengruppen ein Bild der Dorfstruktur verschaffen, festigt sich der erste Eindruck weiter, dass es sich um eine gut organisierte Gemeinschaft handelt. Beispielsweise wird von den Männern eine angestrebte Gleichberechtigung der Frauen angesprochen, die bereits jetzt auch über eine Organisationsstruktur verfügen.

Auch bei der Identifizierung der Probleme des Dorfes arbeiten alle motiviert mit. Wir nehmen direkt auch noch eine Bewertung der Wichtigkeit für die Dorfbewohner vor und zum ersten Mal seit einem Jahr lassen sich die Probleme eingrenzen und klar definieren:
Die Situation der Herde, welche aus offenem Feuer ohne Abzüge bestehen und in den Häusern integriert sind, hat großen Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Töpfe, Wände und Decken der Häuser sind mit einer dicken Rußschicht überzogen und teilweise schlafen sogar die jüngsten Familienmitglieder in der Küche, weil es dort wärmer ist.

Das zweite große Problem ist die Bewässerungssituation der Felder. Auch wenn Taca Copa über ausreichend Wasser verfügt gibt es bisher keine Möglichkeit dieses zu den Feldern zu bringen. Die Vielfalt der Landwirtschaft ist dadurch deutlich eingegrenzt und auch der Ertrag fällt so gering aus, dass er gerade zur Eigenversorgung reicht.

Interessant ist auch die Reaktion auf den Einsatz partizipativer Methoden. Ohne Nachfragen unsererseits bedankt sich der Dorfvorsteher bei uns dafür, dass wir Probleme lösen möchten, die sie selbst identifiziert und als wichtig eingestuft haben. An dieser Stelle gilt es einen Dank an die Kompetenzgruppe Interkulturelle Kommunikation und Ethnographie (KIKKE) von Ingenieure ohne Grenzen und André aus Aachen auszusprechen, die uns in partizipativer Projektführung schulten.

Nach getaner Arbeit schlagen wir unsere Zelte auf und lassen den Tag in Mitten des Dorfes ausklingen. Grasende Schafe, Hühner, Ziegen und kämpfende Stiere bieten uns in der Abendsonne die entsprechende Kulisse. Am nächsten Tag beschäftigen wir uns konkret mit den am Vortag identifizierten Problemen. Einzelne Dorfbewohner führen uns zu markanten Stellen der Wasserversorgung, gewähren uns Einblick in ihre Küchen und berichten von ihrer Lebenssituation. Ein gemeinsames Mittagessen mit allen Dorfbewohnern rundet schließlich den Besuch in Taca Copa perfekt ab. Guter Dinge und mit vielen Eindrücken verabschieden wir uns von tollen Menschen mit der Aussicht darauf, gemeinsam mit Ihnen und guten Partnern, innerhalb des nächsten Jahres eines ihrer Probleme lösen zu dürfen.

Bis dahin gibt es allerdings noch viel zu tun und wir blicken erwartungsvoll auf die kommende Zeit. Für uns heißt es jetzt vorerst Abschied von Bolivien zu nehmen. Ein Land, dass uns herzlich aufgenommen und in seinen Bann gezogen hat. Wir lernten viel und kehren nach Deutschland mit dem Gefühl zurück die richtigen Partner für unser Vorhaben gefunden zu haben.

Hasta luego!

Isabella, Lucas und Markus

22.06.2014 14:08, Philipp Blanke

Add Your Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Your Name *

Your Mail *

Your Comment*