Die vielen Gesichter des Projektes Bildung bleibt

Was ist es, was das Projekt Bildung bleibt so spannend macht? Was motiviert uns, zwanzig junge Menschen in  Aachen, neben unserem Studium oder unserer Arbeit jede Woche viele Stunden Arbeit in dieses Projekt zu stecken? Womöglich ist es die Vielseitigkeit. Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen kommen wegen dieses Projektes zusammen: angehende Techniker aus der Großstadt begegnen Dorfbewohnerinnen aus einem der entlegensten Winkeln Boliviens, Ehrenamtliche aus Deutschland arbeiten Hand in Hand mit Dorfschullehrern, BerufsschulleiterInnen und die Direktorin einer Hilfsorganisation sitzen an einem Tisch und planen die Umsetzung eines Kochstellenprojektes in einer ländlichen Gemeinde. Dabei findet Lernen auf allen Ebenen statt. Das klassische Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden scheint aufgehoben zu sein. So erlernen Lehrer neue didaktische Methoden, welche sie dann unmittelbar im Unterricht ihrer Schülerinnen und Schüler anwenden können, gleichzeitig aber auch an die Lehrer einer weiteren Berufsschule weitergeben. Schülerinnen und Schüler aus der Stadt lehren den DorfbewohnerInnen den Bau rauchfreier Kochstellen, lernen aber auch deren traditionelle Lebensart kennen. Auch wir haben schon viel lernen dürfen – und zwar nicht nur wie man einen entlaufenen Esel aufspürt.
Bisher hat dieser Blog vor Allem unsere Sicht auf Bildung bleibt wiedergegeben. Diesen Juni hatten wir die Chance mit vielen Menschen des Projektes zu sprechen. Im Folgenden wollen wir einige dieser Begegnungen weitererzählen.

 

Doña Cresencia, Ladenbesitzerin aus Micani

Doña Cresencia, Ladenbesitzerin aus Micani

“Ich habe diese Kochstelle gemeinsam mit einem Ingenieur gebaut. Seinen Namen habe ich allerdings leider vergessen. Sie hatten mir erklärt wie ich die Ziegelsteine und den Lehmmörtel vorbereiten sollte – mit Stroh und Eseldung […] Später haben wir damit gemeinsam in kurzer Zeit die Kochstelle errichtet. […] Meine Kochstelle ist sehr gut. Ist sie einmal warm, kocht sie ganz von alleine. Zum Beispiel bringe ich etwas Fleisch zum kochen und lasse ein wenig Brennholz in der Kammer. Der Topf mit dem Fleisch kocht dann ganz von alleine weiter, ohne dass ich ständig Holz nachschieben muss.”

 

Benedicto Condori, etabliert Sanitär- und Hygienepraktiken in den Gemeinden

„Wir haben gemeinsam mit 40 Familien aus verschiedenen Gemeinden gekocht.

Benedicto Condori, etabliert Sanitär- und Hygienepraktiken in den Gemeinden des Bezirks Micani

Dazu haben wir Holz und ein paar Lebensmittel ausgeteilt und [die DorfbewohnerInnen]  aufgefordert auf einer traditionellen und einer der neuen Kochstellen [das gleiche Gericht] zu kochen.

Der Unterschied zwischen den Zeitpunkten wo in den Kochstellen das Wasser zu Kochen begann, betrug ganze 16 Minuten. Zudem benötigte die traditionelle Kochstelle ganze 10 kg Brennholz, während die neue Kochstelle nur 3 kg benötigte! Dadurch begannen die Leute die neuen Kochstellen zu schätzen. Dabei standen die Menschen den neuen Kochstellen anfangs recht skeptisch gegenüber.“

 

Miguel Oporto, Schüler an der Berufsschule Instituto Tecnológico Charcas

Miguel Oporto, Schüler an der Berufsschule Instituto Tecnológico Charcas, zusammen mit Micha Landoll

„Am Instituto Tecnológico Charcas, wo ich zur Schule gehe, haben wir gelernt Biomassekochstellen zu bauen. Diese haben vor Allem die Ziele Brennholz zu sparen und dafür zu sorgen, dass der Rauch nicht die Gesundheit der Personen die kochen und die ihrer Kinder schädigt. […] Mein Ziel ist es nach meiner Ausbildung  Gelder zu beantragen um die Bezirke der Region zu besuchen, die bisher noch nicht erreicht wurden und zu ermitteln, wo neue Kochstellen am dringendsten benötigt werden. Innerhalb der Berufsschule möchte ich hierzu eine kleine Organisation gründen und bei der Ausbildung der nächsten Generation helfen damit ich gemeinsam mit ihnen diese noch unerreichten Gemeinden besuchen kann um Kochstellen zu bauen.“

 

Marcio Gongora, Lehrer an der Berufsschule Instituto Tecnológico Charcas

„Wir bilden an unserer Schule ungefähr 30 SchülerInnen zu Maurern aus.

Marcio Gongora, Lehrer an der Berufsschule Instituto Tecnológico Charcas

Ihre Ausbildung darf nicht nur bei der Theorie bleiben, sondern muss von praktischen Erfahrungen begleitet werden [wie wir es am Beispiel der Kochstellen erreichen

]. Die Schüler lernen bei uns wie sie kleine Mikrounternehmen aufbauen können und wie sie ihr Wissen an Andere weitergeben können. […] Jetzt beobachten wir, dass sie beginnen selbst Sachen auszuprobieren, beispielsweise die Kochstelle so zu verändern, dass sie drei Kochfelder hat.“

 

Marina Felicidad, Schulmädchen aus Taca Copa

Marina ist dreizehn Jahre alt. Ihr junges Alter hält sie aber nicht davon ab nach der Schule den Haushalt zu führen, während ihre Eltern auf den Feldern arbeiten. Mit der neuen Familienkochstelle geht sie so gut um wie kaum eine Andere – während in dem vorderen großen Topf Kartoffeln kochen, rührt sie hin und wieder in der Pfanne in der sie eine scharfe Gemüsesalsa zubereitet.

Marina Felicidad, Schulmädchen aus Taca Copa

Was ihr an der neuen Kochstelle am besten gefalle? Man müsse nun seltener Holz sammeln. Das sei sehr mühsam, denn der Fußmarsch betrage ganze anderthalb Stunden.

 

Übersetzungen aus Quechua: Elsa Sanchez
Übersetzungen aus Spanisch: Christoph Netsch

31.08.2017 // 15:11

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