Keine Angst vor dem Wetter: Ernährungssicherheit in Zeiten des Klimawandels

Infrastruktureller Wandel in Micani

Während unser letzten Ausreise stellten wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation SODIS und der Lokalregierung Micanis, sowie dessen übergestellten Distrikts San Pedro de Buena Vista, die Weichen für eine wichtige und vielleicht auch längst überfällige Entwicklung unseres Projektes. Wir werden unseren Projektfokus nun nicht mehr, wie in den vergangenen Jahren, auf den Bau von „rauchfreien Kochstellen“ legen, sondern eine deutlich ganzheitlichere Verbesserung der Lebensumstände der Region anstreben.

Hierbei ist die Entwicklung der Infrastruktur eines der Schlüsselelemente. Die Metallwerkstatt, die in Micani innerhalb der nächsten Wochen ihre Tore öffnen wird, ist hierbei unser erstes großes Etappenziel. Sie bietet ein unheimliches Potenzial für die Betreiber, aber nicht minder für alle Bewohner des Distrikts. Die Betreiber der Werkstatt erhalten die Möglichkeiten durch theoretische und praktische Workshops ihr Wissen zu erweitern. So werden sie sowohl in der formalen Administration eines Unternehmens geschult, als auch in Schweißarbeiten. Dieses erlernte Wissen geben diese dann an andere Techniker, die durch uns in der Region ausgebildet wurden, weiter.

Das Projekt der Werkstatt hat allerdings auch noch aus einem ganz anderen Grund eine hohe Bedeutung für uns. Es ist die erste (über die ideelle Unterstützung hinausgehende) Kooperation mit der Lokalregierung. Diese ist bisher zu einem Drittel an der Werkstatt beteiligt. Die anderen beiden Anteile werden bisher durch uns und unsere Partnerorganisation getragen. Die Übertragung von mehr Verantwortung auf die Lokalregierung ist ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der operativen Arbeit. Schließlich müssen Strukturen entwickelt werden, damit der Fortschritt der Region auch unabhängig von NGOs vorangetrieben werden kann – lokal oder überregional. Dies könnte also als gutes Vorbild für unsere zukünftige Arbeit dienen.

Die Anteile der Werkstatt, die bisher in den Händen der Lokalregierung, der Fundación SODIS und uns selbst liegen, sollen jedoch nicht dortbleiben. Unser Ziel ist es nicht eine künstlich am Leben gehaltene Werkstatt langfristig zu subventionieren. Diese soll hingegen so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen. So werden nach einem im Vorhinein festgelegten Zeitplan Etappenziele verabredet, bei deren Einhaltung die Anteile der Werkstatt in die Hände der Verantwortlichen übergehen. Diese müssen eigenständig dafür Sorge tragen, dass die Werkstatt ein profitables Unternehmen bleibt. Alle Werkzeuge hierfür bekommen sie von uns in die Hände gelegt.

Wir verfolgen jedoch auch noch andere Strategien, um eine ganzheitliche Aufwertung der Lebensbedingungen in Micani zu erreichen. So beginnt in diesem Jahr eine enge Kooperation mit den Dorfschulen des Distrikts. In diesen sollen „rauchfreie Kochstellen“, sanitäre Anlagen, Wasserfiltersysteme und viele weitere unserer Technologien implementiert werden. Mit dieser intensiven Konzentration auf die Dorfschulen wollen wir erreichen, die von uns angestoßenen Veränderungen in ein größer angelegtes Konzept zu integrieren. Dabei sprechen wir von einem ‚Schließen von Zyklen‘, was hier anhand des Zyklus ‚Wasser‘ näher erläutert wird. So ist beispielsweise die Implementierung von Waschbecken ein wichtiges Element zur Steigerung der hygienischen Bedingungen in den Schulen. Jedoch birgt es noch weit größeres Potenzial in Verbindung mit anderen Elementen. So kann ein Waschbecken, gemeinsam mit der Anlage zur Grauwasseraufbereitung und Bewässerungsanlage für den Schulgarten einen weit größeren Mehrwert generieren. So geht das zum Händewaschen verwendete Wasser nicht verloren, was vor allem in der Trockenzeit von hoher Bedeutung ist, sondern kann für den Betrieb einer Bewässerungsanlage verwendet werden. Diese ermöglicht dann schließlich den Dorflehrern und Schülern Gemüse anzubauen, welches dann in das Schulessen integriert werden kann und so eine ausgeglichene Ernährung der Grundschüler fördert. Das Wissen um die Wichtigkeit einer vielseitigen Ernährung kann den Müttern, die abwechselnd das Schulessen zubereiten, gemeinsam mit der Nutzung der „rauchfreien Kochstelle“ vermittelt werden.

 

Die Kochstellentechnologie bildet den Grundstein für die Entwicklung und Implementierung neuer technologischer Konzepte mit den Dorfbewohnern Micanis.

Wie dieses Beispiel verdeutlichen soll, hat jede einzelne der von uns implementierten Technologien ihren eigenen Mehrwert und hilft dabei, die Lebensumstände des Distrikts aufzuwerten. Jedoch wird dieser Effekt durch die Kombination der Technologien deutlich gesteigert. Diese sind eng aufeinander abgestimmt und bestärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Somit kann es nicht unser Ziel sein, diese vereinzelt anzuwenden, sondern die angefangenen Zyklen zu schließen. Damit haben wir, insbesondere im Hinblick auf die nächste Ausreise unseres Teams, noch einiges an Arbeit vor uns, auf die wir uns sehr freuen.

Der infrastrukturelle Wandel trägt sich von selbst: “Das Gelernte lehren”

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