Neue Erfolge in der Werkstatt

Neue Erfolge in der Werkstatt

Derzeit befinden sich zwei Studierende aus unserem Team in Bolivien, um das Projekt vor Ort zu betreuen. Damit auch Sie die Entwicklungen in der Region mitverfolgen können, kommt hier ein zweiter Bericht von Wilm Rogge zum aktuellen Projektstand:

Angekommen in San Pedro de Buena Vista ging es für mich am nächsten Tag gemeinsam mit den Lokalexperten und Wilson noch eine Station weiter nach Micani. Theresa blieb in San Pedro, um mit den Lehrern der ansässigen Berufsschule „Instituto Técnico de Charcas“ die Änderung des bisherigen mit ihnen durchgeführten Kurskonzepts zu erarbeiten. Während der zweistündigen Fahrt nach Micani eröffnete sich mir bei Tag ein noch beeindruckenderer Blick auf die Landschaft.

In Micani wurden mir die anderen Lokalexperten und der sub-alcalde vorgestellt. Er ist das Bindeglied zwischen dem Distrikt Micani, dem er vorsteht, und der in San Pedro ansässigen Lokalregierung (alcaldía). Vom sub-alcalde haben die Lokalexperten die Räumlichkeiten erhalten, um ihre Werkstatt zu errichten. Sie befindet sich etwas abseits vom Dorfkern auf dem Gelände einer Baumschule, wo Bäume für ein Aufforstungsprogramm der Lokalregierung gezogen werden. Dort wurde das Material abgeladen. Anschließend ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen und ich bezog, erschöpft von der Reise, aber trotzdem kerngesund, mein Quartier – die örtliche, zurzeit nicht belegte, Krankenstation.

Am nächsten Morgen begannen wir nach einem kurzen Rundgang durch das Dorf und das Internat den Workshop. Im Internat sind die Schüler untergebracht, deren Familien in größerer Entfernung leben. Unsere Gruppe hat hier bereits eine Schulkochstelle und im Schulgarten eine Tröpfchenbewässerungsanlage implementiert. Letztere soll im späteren Verlauf unserer Ausreise evaluiert werden. An der Werkstatt angekommen begannen die Lokalexperten zunächst damit, Türen zu fertigen. Diese bestehen aus einem Stahlprofilrahmen und einer hiervon eingefassten Holzplatte. Es war faszinierend, zu beobachten, wie schnell die Lokalexperten – allein mithilfe einer Aufbauskizze der Tür und einer kurzen Anleitung durch Wilson in den einzelnen Arbeitsschritten – den Aufbau der Türen verstanden. So zeichneten sie Maße an, schnitten die Profile in die richtige Länge und schweißten diese wieder auf Gehrung zusammen. Durch die einzelnen Arbeitsschritte konnten sie ihre Kenntnisse in Metallarbeiten und auch das exakte Arbeiten nach einem konkreten Plan weiter vertiefen.

Ich nahm mir zu Beginn unserer Zusammenarbeit Zeit, die Lokalexperten besser kennenzulernen und wollte mich, nach Rücksprache mit Wilson, erst am nächsten Tag meiner eigentlichen Aufgabe beim Workshop widmen: Ich war mit nach Micani gekommen, um mit den Lokalexperten die Handhabung einer Buchhaltungsanwendung zu üben. Am Donnerstag also begleitete ich den Workshop daher nur und gab den Experten Tipps, die sie schnell umsetzten. Nur meine Bedenken, dass ich bei der gewählten Türrahmenhöhe beim Eintreten den Kopf einziehen müsste, wollten sie nicht wirklich teilen. Weitere gute Möglichkeiten zum Kennenlernen stellten das gemeinsame Mittag- und Abendessen in einem kleinen Lokal am Marktplatz von Micani dar. Bei diesen musste ich jedoch schnell feststellen, dass sich mein Magen immer noch nicht an die riesigen Portionen gewöhnt hatte. Meistens fühlte ich mich nach der „Vorspeisen“-Suppe bereits so satt, dass ich den eigentlichen Hauptgang bereitwillig mit den Anderen teilte. Dies erwies sich als Katalysator für meine Integration in die Gruppe.

An den nächsten zwei Tagen wurde der Workshop weitergeführt und den Lokalexperten außerdem nähergebracht, wie man nach einem ähnlichen Prinzip Fenster herstellt. Hierbei freute es mich besonders, zu sehen, dass sie, nachdem sie den Aufbau der Türen verstanden hatten, die neuen Arbeitsschritte noch schneller verinnerlichen konnten. Außerdem erklärte ich an beiden Tagen jeweils einem Teil der Experten die Funktionsweise der Buchhaltungsanwendung. Die Anwendung läuft auf Excelbasis auf einem Laptop, den ich der Werkstatt zunächst offiziell überreichte. In der Anwendung können und sollen die Experten die Einnahmen und Ausgaben ihres Kleinunternehmens aufschreiben und so auch diesen Aspekt der Unternehmensführung kennenlernen. In Zukunft sollen sie es hier eintragen, wenn sie neues Material für Produkte oder neues Werkzeug einkaufen, wenn sie neue Produkte fertigen oder diese verkaufen. Außerdem soll das Tool dafür genutzt werden, die Auszahlung ihres Lohnes, den sie für jedes gefertigte Produkt erhalten, zu standardisieren.

Bei der Arbeit mit der Anwendung zeigten sich die Lokalexperten sehr begeisterungs- und lernfähig. Obwohl man die unterschiedlichen Kenntnisstände der Experten im Umgang mit Computern erkennen konnte, begriffen sie schnell die Logik hinter dem Programm. Besonders imponierte mir, dass diejenigen der Experten, die zugaben bisher noch nicht mit Computern gearbeitet zu haben, sofort bekundeten, es unbedingt erlernen zu wollen. Bei unseren kommenden Treffen werde ich mit den Experten die Handhabung dieser Technik weiterhin üben. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich in etwa zwei Wochen, wenn die Experten nach Cochabamba zu einem Schweißworkshop an unserer zweiten Partnerberufsschule „Instituto Técnico de Sayarinapaj“ kommen werden.

Nachdem die Arbeit an den Fenstern und Türen am Samstag mit einem finalen Anstrich beendet wurden, konnten die zuvor erlernten Schweißfähigkeiten ein letztes Mal an diesem Wochenende zur Konstruktion eines asado-Grills genutzt werden. Bei typisch südamerikanisch hergerichtetem Rindfleisch mit Limonensaft und Salz ließen wir den Workshop gemeinsam ausklingen.

Am nächsten Morgen, kurz vor meiner Abfahrt, wurde ich von einem Bewohner Micanis angesprochen. Er erkundigte sich, ob ich wüsste, wann und wo die Türen und Fenster zu kaufen wären, die in den letzten Tagen in der „CAMCEC“-Werkstatt gefertigt wurden. Ich erklärte ihm, dass diese in der nächsten Woche bei der Feria präsentiert werden, und freute mich darüber, dass die neu gegründete Werkstatt bei den Bewohnern Micanis nicht unbemerkt geblieben ist.

Wilm Rogge

Fertigen von Türen und Fenstern an der Werkstatt

Metallarbeiten in der Werkstatt

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