Die letzte Woche der Ausreise

Die letzte Woche der Ausreise

Die diesjährige Herbstausreise geht in die letzte Runde: Die erste Ausreisende aus unserem Team ist bereits nach Aachen zurückgekehrt und auch für Wilm Rogge und Marie-Sophie Braun haben die letzten Tage im Projekt in Bolivien begonnen. Diese Zeit wird unter anderem genutzt, um weitere rauchfreie Kochstellen an Dorfschulen zu errichten. Wilm Rogge berichtet von Hürden und Fortschritten:

Auch wenn es für uns kaum vorstellbar ist, neigt sich unsere Ausreise langsam dem Ende zu. Das macht sich zum einen daran bemerkbar, dass Theresa schon wieder zuhause in Deutschland angekommen ist, und zum anderen daran, dass plötzlich die Regenzeit begonnen hat. Ursprünglich hatten wir beabsichtigt den Beginn des Regens mit dem Ende unserer Ausreise zusammenzulegen, doch immer häufiger bereiten stärker werdende Regengüsse unserer Planung Schwierigkeiten.  Die Einheimischen versichern uns, dass die Regenzeit dieses Jahr tatsächlich ungewöhnlich früh angefangen hat und wir keinen Fehler gemacht haben. Die Herbstausreisenden im letzten Jahr blieben noch bis Mitte November in Bolivien und hatten bis zum Schluss keinen einzigen Regentropfen gesehen.

Die letzten Aufgaben

Trotz der erschwerten Bedingungen standen in der letzten Woche noch zwei wichtige Programmpunkte in und um Micani an. Marie wollte sich mit einer kleinen Gruppe von Schülern des neuen Kurses vom Instituto Técnoligico Sayarinapaj mit den Tröpchenbewässerungsanlagen beschäftigen. Die Anlage wurde während unserer Ausreise im Sommer errichtet und muss jetzt evaluiert werden. Festgestellte Bedürfnisse sollen die Schüler im Rahmen des nächsten Kurses beheben.

Mein Fokus lag darauf, gemeinsam mit den Lokalexperten Kochstellen in Dorfschulen zu errichten. Dazu wollten wir am Montag mit den „expertos“ in der Dorfschule von Ipote einen Workshop durchführen. Im weiteren Verlauf der Woche sollte dann mit dem Auto von Sodis das Material an die anderen Dorfschulen geliefert werden, damit unsere Experten die fehlenden Kochstellen im kommenden Monat errichten können.

Die schwierige Fahrt nach Ipote

Als wäre der viele Regen nicht schon genug, steckt unser Auto seit vorangegangener Woche zur Reparatur in die Werkstatt. Vom Mechaniker wurden wir nur immer wieder auf den nächsten Tag vertröstet, bis wir uns schließlich am Sonntag mit starkem Regen und fehlendem Auto in einer denkbar schlechten Situation befanden. Entsprechend groß waren auch unsere Sorgen, dass wir unsere Ziele nicht mehr erreichen könnten.

Sonntagabend machten Marie, Wilson und ich uns dann mit einem Minibus auf nach San Pedro de Buena Vista. Auf dem Weg dorthin muss ein Fluss durchquert werden, der in der Regenzeit so sehr anschwillt, dass er mit dem Auto nicht mehr passierbar ist. In der Woche zuvor hatten wir alle möglichen Berichte über den Wasserstand des Flusses gehört. Von: „Man kann den Fluss mit dem Auto noch problemlos passieren“ bis hin zu: „Es geht nur zu Fuß weiter und dann steht einem das Wasser bis zum Hals“ war alles dabei. Somit mussten wir abwarten, bis uns Wilson am nächsten Morgen mit einem von ihm organsierten Fahrer bei herrlichem Wetter einsammelte.

Die spontanen Komplikationen führten nun zu unserem neuen Plan: mit dem Minibus nach Micani fahren, dort das Material und die Lokalexperten für den Workshop einzusammeln und weiter nach Ipote fahren, wo weitere Lokalexperten auf uns warten würden. Das Auto würde uns dann in den nächsten Tagen zur Materialauslieferung nach Micani gebracht werden.

Um die Spannung an dieser Stelle aufzulösen: Der Plan ging auf! Die Fahrt durch den Fluss gelang geradezu mühelos und auch die Anfahrt nach Ipote wurde nur durch kleinere Einsätze mit Schaufel und Spitzhacke unterbrochen. Zwar regnete es erst seit wenigen Tagen, doch man konnte die Schäden schon überall deutlich erkennen. Trotzdem gestaltete sich die Fahr insgesamt deutlich angenehmer als zuvor befürchtet.

Der Workshop “Schulkochstellen"

Der Workshop konzentrierte sich auf die wesentlichen Unterschiede zwischen den Schul- und den Familienkochstellen. Dazu gehört primär, dass in der Schule für eine viel größere Anzahl Personen gekocht wird und damit auch größere Töpfe benutzt werden. Aus diesem Grund sind zwei Brennkammern für jeweils einen Topf zuständig und nicht nur eine Brennkammer für zwei Töpfe. Da die Lokalexperten inzwischen wahre Experten im Bau der Familienkochstelle sind, hatten sie auch den Aufbau der Schulkochstelle schnell verstanden und konnten diese innerhalb eines Nachmittags errichten. Vor unserer Rückkehr nach Micani stärkten wir uns noch bei einem gemeinsamen „cena“, das auf einer der traditionellen Kochstelle zubereitet wurde.

Zum Abschluss fand am nächsten Tag in Micani die cobrar de los bonos statt. Bei dieser Tradition wird jedem Schüler, der das Schuljahr beendet hat, ein bestimmter Geldbetrag ausgezahlt. Da Micani die „Hauptstadt“ des Distrikts ist, fanden sich alle Schüler der Region hier ein und holten sich gemeinsam ihre Belohnung ab.

Wilm Rogge

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