Offizielle Projekteröffnung „Sumaj Causay“

Offizielle Projekteröffnung „Sumaj Causay“

Unsere Freiwilligen von Aktion Sodis und Mitarbeiter der Fundación Sodis stellten den Würdenträgern Distrikts Micani unser Vorhaben „Sumaj Causay“ im Rahmen einer offiziellen Projekteröffnung vor. Davon, wie er diese Veranstaltung erlebt hat, berichtet unser Ausreisender Christoph:

Als die Worte von William Ayra, dem Bürgermeister der Region San Pedro de Buena Vista, verstummten, war die Sonne längst untergegangen. Müde kauten die anwesenden Dorfvorstände und FunktionsträgerInnen des Distrikts Micani auf den Kokablättern, die zuvor in einem großen grünen Beutel die Runde gemacht hatten. Das Kauen von Kokablättern ist tief in der lokalen Kultur verankert und hat einen leicht belebenden Effekt, der jedoch keineswegs dem Konsum seines berüchtigten Derivats gleichzusetzen ist. Hinter allen Anwesenden lag ein langer Tag.

Zunächst war das neue Schulmobiliar der Grundschulen des Distrikts feierlich überreicht worden. Darauf folgten die Übergabe und Einweihung des neuen Krankenwagens.  Dieser ermöglicht es unserem Partner Franklin, dem jungen Krankenpfleger von der lokalen Gesundheitsbehörde, wieder die entlegenen Gemeinden Micanis zu erreichen, nachdem die Nutzung des alten Krankenwagens vor einem Jahr aufgegeben werden musste. Zeremonielle Akte haben in Bolivien Tradition. Auch wenn der innere Skeptiker zunächst glauben mag,  die lokalen Funktionsträgern genössen das Rampenlicht der höchst öffentlichkeitswirksamen Übergaben, um ihren eignen Namen mit den geleisteten Wohltaten in Verbindung zu bringen, wird ein anderer, nicht minder triftiger Grund genannt: Die zeremonielle Übergabe öffentlicher Güter vor Augen der versammelten Gemeinschaft diene dazu, der Korruption vorzubeugen. Eigentlich logisch: Wenn die gesamte Bevölkerung darüber im Bilde ist, dass das neue Auto den Zweck hat, als Krankenwagen Krankentransporte im Distrikt zu ermöglichen, wird es Individuen erschwert, diesen für ihre privaten Bedürfnisse zu zweckentfremden.

Als wir den dritten großen Punkt der Tagesordnung, die feierliche Eröffnung der neuen Phase unseres Projekts Sumaj Causay, erreichten, war die Sonne schon hinter den Berggipfeln Micanis untergegangen und der Horizont purpurrot verfärbt. In Kürze erläuterten wir alle Aspekte des Projektvorhabens – die Projektkoordinatorin Elsa Sanchez auf Quechua und wir Ausgereisten von Aktion Sodis auf Spanisch. Uns lag es am Herzen, eine Kernbotschaft klar zu übermitteln.

Sumaj Causay, das bedeutet in der indigenen Sprache Quechua soviel wie „besser leben“. Hinter dem Ausdruck steckt für uns das erklärte Ziel, dass die Bevölerung Micanis in ihren Haushalten und in ihren Schulen unnötigen gesundheitlichen Risiken nicht länger ausgesetzt sein solle. Keine Mutter und kein Baby oder Kleinkind soll sich beim Kochen täglich einer Rauchbelastung aussetzen müssen, die der eines mittelstarken Rauchers gleicht. In jedem Klassenzimmer soll den Kindern Trinkwasser zur Verfügung stehen, das nicht mit Fäkalbakterien verschmutzt ist – aktuell ist das Wasser in den Schulen knapp und verunreinigt. Niemand soll gezwungen sein, seine Notdurft im Gebüsch zu verrichten, wodurch wiederum Wasser rekontaminiert werden kann. Unser Projekt Sumaj Causay sei ein Schulterschluss mit allen Familien Micanis, diese Probleme gemeinsam – zuhause und in den Dorfschulen – anzugehen. Dazu müssen aber alle – Mütter und Väter, Lehrkräfte, Dorfvorsteher und andere Einflusspersonen der Region – an einem Strang ziehen. Familien müssen die zeitaufwendigen und doch notwendigen Eigenleistungen für den Bau von Trenntoiletten und Kochstellen erbringen. Weitere einheimische Freiwillige müssen sich melden, um sich zu lokalen TechnikerInnen ausbilden zu lassen, die letztlich das ausführende Organ im Projekt Sumaj Causay darstellen. Zuletzt müssen Dorfvorsteher ihre jeweiligen Gemeinden für die im Bewusstsein der lokalen Bevölkerung noch oft vernachlässigte Problematik laufend sensibilisieren.

Das Konzept hinter dem Ausdruck „besser Leben“ ist eine der Säulen der Sozialpolitik der aktuellen bolivianischen Regierung. Wir freuen uns darüber, dass viele lokale Autoritäten das Projekt Sumaj Causay als einen Weg erkannt haben, um dem Ziel einer gerechten Gesellschaft näherzukommen. Besonders dankbar sind wir über die Beteiligung zweier staatlich angestellter Techniker an der Projektdurchführung und an der finanziellen Beteiligung der Lokalregierung der Region San Pedro de Buena Vista mit 18,6% des Projektbudgets. Auch auf Dorfebene scheint unsere Kernbotschaft angekommen zu sein. Es liegen bereits Anfragen von vielen Dörfern vor, an dem Projekt teilzunehmen, und zu unserem letzten Workshop erschienen bereits sechs neue AnwärterInnen, um an der Ausbildung zu lokalen TechnikerInnen teilzunehmen.

Christoph Netsch

Messbare Nachhaltigkeit!
Traditionell wird in Micani an offenen Feuerstellen gekocht. Die hohe Rauchbelastung verursacht gefährliche Atemwegs-erkrankungen. Diesem Problem begegnen die Yachaqkuna mit dem Bau von rauchfreien Kochstellen: Mittlerweile haben sie 60% aller Haushalte in Micani erreicht.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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