Erfolge skalieren, aus Problemen lernen

Erfolge skalieren, aus Problemen lernen – die nächsten Schritte in unserem Ernährungsprojekt

Viele der Grundschulkinder Micanis sind mangelernährt. Dies liegt in der Regel daran, dass die einseitige Ernährung aus den wenigen Produkten, die lokal produziert werden, nur wenige Nährstoffe beinhaltet. Um dieser Situation zu begegnen, wurden im vergangenen Jahr Gemüsegärten mit Microbewässerungssystemen an einigen Grundschulen der Region errichtet. Christoph berichtet von seinen Beobachtungen nach einem Jahr der Bewirtschaftung der Schulgärten:

Stolz zeigt Marina, die junge Dorfschullehrerin aus Alacruz, Theresa von Aktion Sodis ein verschwommenes Bild auf ihrem Handy. Das sei die Gemüseernte vom letzten Jahr gewesen. Wie die Trophäen einer Jagd liegen, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht, Kartoffeln, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Äpfel, Orangen, Pfirsiche, Maracuja, Guayaba und Pacay. Das sind Bilder, die uns sehr glücklich machen, denn sie zeigen uns, wie sehr die bewässerten Schulgärten tatsächlich dazu beitragen, die prekäre Ernährungssituation an den Dorfschulen Micanis durch eine Diversifizierung des Angebots zu verbessern.

Mitunter verantwortlich für diesen Erfolg ist Raul Acarapi. Der Familienvater aus Alacruz ist Teil der Junta escolar, des lokalen Elternverbands. Gemeinsam mit einigen anderen Eltern aus der Gemeinde kümmert er sich um die Pflege des Schulgartens. Als die Bewässerungsanlage im Juni 2018 im Rahmen des Projekts Bildung bleibt von angehenden LandwirtInnen des Instituto Tecnológico Sayarinapaj errichtet wurde, unterwiesen ihn diese im Betrieb und in der Wartung der Bewässerungsanlagen. Zudem lehrte man ihm und den anderen BürgerInnen von Alacruz die Verwendung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken, die auch ohne den Einsatz von teuren mineralischen Düngemitteln zu hohen Erträgen führen, etwa der Fruchtwechselwirtschaft und der Verbundwirtschaft aus Obstbäumen und Gemüsepflanzen.

Im Interview erzählt Raul von seinen Plänen mit dem Schulgarten. Er würde gerne noch einen Zitronenbaum und mehr Salat pflanzen. Außerdem bete man um Unterstützung, die Anlage zu erweitern. In einer Woche kehren die BerufsschülerInnen des Instituto Tecnológico Sayarinapaj nach Alacruz zurück, um die nächste Bauphase ihres Projektes umzusetzen. Im Gepäck haben sie noch ein paar weitere Pflanzen: Kräuter und Heilpflanzen sollen in dem Garten wachsen. Außerdem sollen spezielle Pflanzen eingeführt werden, die den Boden weiter verbessern beziehungsweise als natürlicher Schutz vor Schädlingen Ameisen von dem Garten fernhalten. Ähnliches planen die BerufsschülerInnen auch für die beiden Dorfschulen in Ipote und Allpaca.

Schwieriger ist die Situation an dem Mädcheninternat der Sekundarschule in Micani. Auch hier war im vergangenen Jahr ein bewässerter Gemüsegarten errichtet worden. Doch seit der ersten Ernte liegt der Garten brach. Ernüchtert blicken wir auf das in diesem Jahr nicht wieder in Betrieb genommene Bewässerungssystem in dem terrassierten Garten hinter dem Internatsgebäude. Woran liegt es, dass ein Konzept, das an den Dorfschulen durchweg zu positiven Entwicklungen geführt hat, hier nicht anschlägt? Wir glauben, dass es nicht die Lösung selbst ist, die am Internat nicht anschlägt, sondern die Verantwortlichkeitsstrukturen vor Ort. An dem Internat gibt es keinen Elternverband. Die beiden Internatsleiter wirken von der Aufgabe eher überfordert als begeistert. Den Versuch, die Sekundarschülerinnen des Internats für die Pflege des Gartens in die Pflicht zu nehmen, haben sie nicht gewagt.

Wir wollen vor diesem Problem nicht die Augen verschließen, sondern daraus lernen. Ein bei der regionalen Regierung angestellter Landwirtschaftsingenieur hat sich bereiterklärt, übergangsweise die Verantwortung für den Garten zu übernehmen. Im Rahmen ihrer Reise nach Micani werden auch die BerufsschülerInnen des Instituto Tecnológico Sayarinapaj den brachliegenden Garten besuchen, um eine Nachschulung durchzuführen. Wir hoffen darauf, dieses Jahr noch die Verantwortungsstrukturen aufbauen zu können, damit auch beim Internatsgarten ein nachhaltiger Betrieb gewährleistet werden kann.

In den kommenden Monaten wollen wir uns aber vor allem auf die Lichtblicke an den Dorfschulen fokussieren und Erfolge skalieren. Binnen zwei Jahren wünschen wir uns, mit dem technischen Konzept, gepaart mit intensiven Landwirtschafts- und Ernährungsschulungen, für die gesamte Bevölkerung an allen vierzehn Dorfschulen des Distrikts erfolgreich zu sein. Zu diesem Zweck greift uns zunächst der Arbeitskreis Entwicklungszusammenarbeit und Selbstbesteuerung finanziell unter die Arme. Ab Oktober soll das Projekt dann von einem Bündnis des Rotary Clubs München-Blutenburg, weiterer deutscher Rotary Clubs und dem bolivianischen Rotary Club Cochabamba-Tunari finanziert und getragen werden. Vergangene Woche besuchte Viviana Santacruz, die angehende Präsidentin des lokalen Rotary Clubs, das Projekt, um sich ihr eigenes Bild zu verschaffen. Ihr Urteil: „Quedé enamorada con el proyecto.“ – „Ich habe mich in dieses Projekt verliebt.“

Christoph Netsch

Messbare Nachhaltigkeit!
Traditionell wird in Micani an offenen Feuerstellen gekocht. Die hohe Rauchbelastung verursacht gefährliche Atemwegs-erkrankungen. Diesem Problem begegnen die Yachaqkuna mit dem Bau von rauchfreien Kochstellen: Mittlerweile haben sie 60% aller Haushalte in Micani erreicht.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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