Ein Blick zurück – Evaluation der Sommerausreise 2019

Ein Blick zurück – Evaluation der Sommerausreise 2019

Seit einigen Wochen sind unsere Ausreisenden dieses Sommers Till, Theresa, Lennard und Christoph zurück in Aachen. Till und Theresa verbrachten drei Monate vor Ort in unseren Projekten, um die inhaltliche Arbeit voranzubringen, Lennard und Christoph jeweils sechs Wochen. Nun schauen wir noch einmal auf die Erfolge und Schwierigkeiten während ihrer Ausreise:

Die Kooperation mit den lokalen Partnern

Vor Ort konnten wir unsere Beziehungen zu den bolivianischen Partnern stärken. Christoph konzentrierte sich während seines Aufenthalts auf die Intensivierung und Definition der Kooperationen. Die bolivianische Fundación Sodis und die deutsche Aktion Sodis arbeiten nun schon seit Jahren zusammen und immer mehr kann auf eine Basis des gegenseitigen Vertrauens gesetzt werden. Zum Abschied lobte Elsa Sánchez die Reife und Koordination unseres studentischen Teams in Deutschland. Außerdem freut sie sich über die Kooperation ohne Hierarchien („Comunicación horizontal“) zwischen den beiden Schwesterorganisationen. Miguel Oporto stieß als lokaler Techniker zum Team von Sodis und wurde während der diesjährigen Sommerausreise auf seine Aufgaben im Distrikt Micani vorbereitet. Dabei war es wichtig, ihn gut einzuarbeiten, sodass er schnell selbstständig in der Zielregion agieren und die bewährten und auch neuen Projekte betreuen kann.

Die Ausreise Christophs war zudem geprägt durch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Rotary Club, der unser anlaufendes Projekt zum Thema Landwirtschaft unterstützt. Die Schulgärten der Dorfschulen im Distrikt Micani erhalten Tröpfchenbewässerungsanlagen, um dort wassersparend Gemüse anbauen und den Kindern eine ausgewogene Ernährung ermöglichen zu können. Nun wurde der Weg geebnet, damit das Projekt in Kürze anlaufen kann.

Bildung bleibt am Instituto Tecnológico Sayarinapaj

Zum zweiten Mal führten wir „Bildung bleibt“ dieses Jahr mit den BerufsschülerInnen der Agrarwissenschaften am Instituto Tecnológico Sayarinapaj durch. Unsere Freiwillige Theresa arbeitete hierzu eng mit dem Lehrkörper der Berufsschule zusammen und gemeinsam gestalteten sie einen Kursdurchlauf, der den Schülern die Möglichkeit gab, mit ihrem Wissen eine Technologie zu entwickeln, die ein konkretes Problem in den abgelegenen Gemeinden Micanis zu lösen sucht: Viele Kinder in der Region sind mangelernährt, da man in der Region von dem lebt, was man selbst anbauen und lagern kann: Überwiegend Kartoffeln und Mais. Vitamine und Proteine fehlen in den Schulmahlzeiten. Aufgabe der Berufsschüler war es, ein Konzept für eine wassersparende und nachhaltige Bewirtschaftung der Schulgärten zu entwickeln, um die Ernährung an den Schulen zu diversifizieren.

Eine Lehre, die Theresa aus dem Projekt mitgenommen hat, ist, dass in Bolivien immer alles klappt, allerdings oft nicht wie geplant. Mehrfach musste sie spontan umplanen oder sich darauf verlassen, dass sich von allein eine Alternative ergibt, und auch so kam man ans Ziel. In Bezug auf Pünktlichkeit und stetige Anwesenheit muss man als Deutscher in Bolivien umdenken: Zum offiziellen Unterrichtsbeginn um 8.00 Uhr morgens war in der Regel noch kein Schüler vor Ort und die Lehrer machten sich daran, die Klassenräume aufzuschließen. Auch Hausaufgaben wurden in der Regel ignoriert und es musste im Unterricht Zeit geschaffen werden, um die Aufgaben zu bearbeiten. Und doch gelang es binnen sechs Wochen ein Konzept für die Schulgärten auf die Beine zu stellen: Eine Optimierung des Tröpfchenbewässerungssystems des Vorjahres sowie ein System aus Pflanzen, die den Garten als Erosions-, Insekten- und Versickerungsschutz, als Biomasse- und Stickstoffproduzenten unterstützen. Auf einer 5-tägigen Reise sollten die Schüler ihre Technologie in vier Gemeinden Micanis bringen und die Schüler, Lehrer und Dorfbewohner in ihrem Nutzen und ihrem Gebrauch schulen. Vor Ort blühten die Schüler des ITS auf und beeindruckten die Freiwilligen mit ihrem großen Engagement und ihrer Selbstständigkeit. Kleinere unvorhergesehene Schwierigkeiten konnten gelöst werden und so blickten die Schüler am Ende der Reise stolz auf das zurück, was sie geleistet haben. „Misión cumplida“ (Spanisch: Mission erfüllt) – so zieht Jherson, einer der Berufsschüler am ITS während der letzten Kurseinheit zur Evaluierung des Projekts sein Fazit.

Helfende Hände: Neue Yachaqcuna stoßen zum Team

Die Verbreitung von Technologien, um die Gesundheitssituation im Distrikt zu verbessern, liegt in den Händen der Yachaqcuna. Seit 2016 läuft das Projekt und es ist viel passiert. Bei ihrer Ankunft mussten die Freiwilligen jedoch feststellen, dass sich nur noch wenige der ehemals 23 Yachaqcuna aktiv an unserem Projekt beteiligen. Grund dafür ist unter anderem die Landflucht, denn auf der Suche nach Arbeit verlassen viele ihre Heimatorte. Auf unseren Freiwilligen Till kam also die Herausforderung zu, andere Bewohner Micanis zu motivieren, Yachaqcuna zu werden und so ihre Gemeinden mit zu verbessern. Erfreulicher Weise erklärten sich viele Bewohner hierzu bereit und wir können auf zahlreiche Neueinsteiger zählen. Zu ihrer Vorbereitung und um mit ihnen das hohe Ziel im Bau von Trenntoiletten erreichen zu können, fanden technische Schulungen statt. Jedem unerfahrenen Yachaqcuna wurde ein erfahrener Mentor zugeteilt, damit sich die Gruppenmitglieder untereinander unterstützen. Durch die Schulung der neuen Yachaqcuna verschob sich der Start der intensiven Phase des Trenntoilettenbaus zwar um einige Wochen, doch sind wir mit den neuen, engagierten Yachaqcuna bereit, die Aufgabe anzugehen.

Erschwert wurde Tills Arbeit vor Ort besonders durch die Infrastruktur im Distrikt Micani: Um an den Schulungen teilnehmen zu können, müssen die Yachaqcuna oft mehrere Stunden laufen, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwischen den Gemeinden in der Regel nicht. Hinzu kommt, dass die Information der Yachaqcuna, die Kommunikation mit der Fundación Sodis in Cochabamba und mit Aktion Sodis in Deutschland sich schwierig gestaltet, wenn es keine stabile Internetverbindung gibt.

Rücksprachen mit den Partnern waren dringend nötig, da die Yachaqcuna die Verbreitung der Technologien und des Wissens in Zukunft selbst messen und evaluieren werden und diesem Monitoring eine Form gegeben werden musste. Hierzu haben Teams in Deutschland und Bolivien Monitoring-Bögen ausgearbeitet, die abschließend von den Yachaqcuna selbst für die zielführende Nutzung angepasst wurden.  Mit diesem Tool wird ihre Arbeit für sie selbst und für unser Team in Deutschland besser nachvollziehbar und nächste Schritte können besser geplant werden.

Souveränität für das Sozialunternehmen CAMCEC

Im vergangenen Jahr haben fünf Lokalexperten mit unserer Unterstützung das Sozialunternehmen CAMCEC gegründet, eine Metallwerkstatt, die lokal Produkte herstellt. Noch steckt das Unternehmen in den Kinderschuhen, doch lernen die Mitglieder von CAMCEC stetig dazu. Unser Freiwilliger Lennard hatte während seines Aufenthalts vor Ort das Ziel, CAMCEC darin zu unterstützen, in der Arbeit souveräner zu werden. Seit der letzten Ausreise hat sich CAMCEC neu aufgestellt: Zwei der ehemaligen Mitglieder haben sich von der Gruppe gelöst und ein neues ist hinzugekommen. Die heutigen Mitglieder Cancio, Porfidio, José und Gabriel lernten während der diesjährigen Sommerausreise ein Verwaltungstool kennen, das unser Team in Deutschland entwickelt hat. Es dient u.a. der Verwaltung von Kosten, Material, Verkauf und Einnahmen. Zunächst fiel es den Mitgliedern von CAMCEC nicht leicht, den Computer zu bedienen, doch sie machen schnell Fortschritte und unsere Unterstützung werden sie im Laufe der Zeit hoffentlich immer weniger benötigen. Schließlich stellten sie sich einer großen Herausforderung: Sie bewerkstelligten selbstständig ihren ersten Materialtransport aus der Stadt Cochabamba in den Distrikt Micani. Stolz posierten die vier vor ihrem „ersten LKW“ – ein Meilenstein ist geschafft.

Vom Schüler zum Lehrer
Wir freuen uns, Miguel Oporto dieses Jahr als neuen lokalen Techniker in unserem Team zu begrüßen. 2017 haben wir ihn als Schüler in unserem Projekt Bildung bleibt kennengelernt. Nun unterstützt er unsere Arbeit als lokaler Ausbilder und Mentor in der Region Micani. Erfahren Sie die Hintergründe.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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