Grundsteinlegung für die nächste Runde „Bildung bleibt“

Grundsteinlegung für die nächste Runde „Bildung bleibt“

„Bildung bleibt“ demonstriert jedes Jahr aufs Neue das Potential, das in der Jugend Boliviens steckt, und ihre Bereitschaft, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Maria und Stephanie, unsere zwei Freiwilligen vor Ort, haben den ersten Schritt für einen weiteren Projektdurchlauf getan. Maria teilt ihre Erfahrungen aus dem Workshop mit SchülerInnen einer Berufsschule in Cochabamba mit uns:

Als wir den Klassenraum betreten, geht sofort ein aufgeregtes Murmeln durch den Raum. „Da sind wieder die Deutschen von Sodis!“. Auch wenn diese Klasse des Instituto Tecnológico Sayarinapaj (ITS), einer unserer Partnerberufsschulen in Bolivien, noch keinen direkten Kontakt mit uns hatte, haben sie schon viel von Aktion Sodis gehört.

Bereits seit 5 Jahren arbeiten wir eng mit der Berufsschule zusammen und führen dort ein- bis zweimal jährlich Kurse im Rahmen unseres Projekts „Bildung bleibt“ durch. Im Frühjahr dieses Jahres war unsere Freiwillige Theresa vor Ort, um gemeinsam mit den SchülerInnen der Abschlussklasse des Landwirtschaftszweigs die Mangelernährung in den ruralen Gebieten zu thematisieren und das Konzept von Schulgärten zu verbessern, die im Kurs 2018 angelegt wurden. Die SchülerInnen haben sich u.a. Gedanken dazu gemacht, welche Obst- und Gemüsesorten am besten anzubauen sind und welche Pflanzen einen Mehrwert für den Garten haben. 

Die Zielregion und ihre Herausforderungen

Um uns ein Bild vom aktuellen Stand dieser Gärten zu machen, besuchten wir die Dorfschulen im Distrikt Micani, wo wir festgestellten, dass nach wie vor Verbesserungsbedarf besteht. So ist auch für 2020 ein Kurs mit dem kommenden Abschlussjahrgang des ITS vorgesehen. Um den SchülerInnen eine erste Idee davon zu vermitteln, was sie erwartet, haben wir ihnen im Rahmen eines zweitägigen Workshops eine Einführung in unser Projekt und den Kurs gegeben:

Nach einer kurzen Vorstellung der beteiligten Organisationen stellen wir den SchülerInnen unsere Projektregion Micani vor und berichteten von unseren eigenen Erfahrungen dort. Wir erzählen auch von den Dorfschulen und der GrundschülerInnen Micanis, die bis zu drei Stunden für ihren Schulweg brauchen, was ein ausgewogenes Frühstück oder Mittagessen in der Schule und somit ein gutes Konzept für die Schulgärten umso wichtiger macht. 

Als wir den SchülerInnen Fotos und Videos von Tanga Tanga, einem der Dörfer Micanis, zeigen, wird die Schülergruppe schlagartig still. Eine Schülerin bricht das Schweigen schließlich: „Und da sollen wir hinreisen?!“. Aufgeregt beginnen die SchülerInnen über ihre Eindrücke und Zweifel zu diskutieren und stellen viele Fragen.

Antworten aus erster Hand

Um Antworten aus erster Hand zu erhalten, holen wir die SchülerInnen der Abschlussklasse dazu, die im Frühjahr den Kurs und die Implementierungsreise selbst erlebt haben. Wir bilden Kleingruppen mit jeweils zwei bis drei SchülerInnen der Abschlussklasse und des neuen Jahrgangs und bitten die „alten Hasen“ von ihren Erfahrungen zu erzählen. Dazu haben wir Fotos von ihrer Implementierung dabei.

Als die SchülerInnen der Abschlussklasse die Fotos sehen, fangen sie sofort begeistert an, zu erzählen. Für uns ist es ein toller Moment, zu sehen, wie gerne sich die SchülerInnen an die Implementierung in den Dorfschulen zurückerinnern und wie viel sie aus dem Kurs mitgenommen haben. Nach und nach wächst das Interesse bei unseren „neuen“ SchülerInnen und die Zweifel schwinden.

Methoden der Bedarfserhebung

Am zweiten Tag geben wir eine kurze Einführung in die Methoden unserer Arbeit, die sogenannten PRA-Methoden (englisch: Participatory rural appraisal). Das Ziel dieser Methodik ist es, die Landbevölkerung in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv dabei einzubinden, ihre Probleme selbst zu erkennen und schließlich gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Wir bitten die SchülerInnen, ihr eigenes Leben als Beispiel zu nehmen und ihren Alltag zu beschreiben, indem sie z.B. Karten von ihrer Schule zeichnen und einen Jahresplan mit Festen und wichtigen Daten erstellen.   Wir hoffen, dass diese Methoden den SchülerInnen später im Berufsleben helfen, wenn sie eigene Projekte auf dem Land umsetzen. Dazu ist es wichtig zu verstehen, wie es sich anfühlt, seine eigene Realität zu analysieren und diese mit anderen zu teilen. Viele SchülerInnen tun sich zunächst schwer damit, doch mit jeder Übung fällt es ihnen leichter. Manchen Gesichtern steht zwischendurch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben und wir geben neue Denkanstöße. Dabei ergibt sich auch für uns als „Lehrer“ eine interessante Situation: für einige SchülerInnen ist es kein Problem, uns ihre bisherigen Ergebnisse zu zeigen und z.B. ihren Tagesablauf zu erklären. Andere fühlen sich sichtlich unwohl dabei, uns als Fremden Details aus ihrem Leben zu erzählen. Damit lernen sie eine wichtige Lektion für die zukünftige Arbeit, denn später werden sie diejenigen sein, die andere interviewen und fremde Realitäten kennenlernen wollen.

Nach diesem Kurzeinstieg in unser Projekt werden die SchülerInnen im nächsten Jahr weitere Methoden kennenlernen und auch inhaltlich am Konzept der Schulgärten weiterarbeiten.

Maria Lütticke

Die robuste Nutzpflanze Tara
Tarabäume benötigen wenig Wasser und wachsen auch im kargen Andenhochland. Gewonnen werden u.a. Ledergerbstoffe, deren Verkauf Familien zusätzliches Einkommen generieren können. Unser neues Projekt soll Unternehmertum und Geschlechtergleichheit fördern.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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