Erlebnisse aus dem Wahljahr 2019 in Bolivien

Erlebnisse aus dem Wahljahr 2019 in Bolivien

Unser Freiwilliger Micha verbrachte zwei Monate in Bolivien, wo er sich für die Landbevölkerung in Micani einsetzte. Die Unruhen um die Präsidentschaftswahl im Herbst stellten uns als studentische Initiative aus Aachen vor besondere Herausforderungen. Und noch ist das Thema nicht vom Tisch: Im April werden erneut drei Aachener Studierende für unsere Projekte nach Bolivien reisen und die bolivianischen Wahlen vor Ort miterleben. Micha berichtet uns von seinen Erfahrungen im Wahljahr 2019

Erste Erfahrungen mit der Entwicklungszusammenarbeit in Bolivien hat Micha in einem Freiwilligen Sozialen Jahr in La Paz gesammelt und in diesem Zuge die Lebenssituation der Landbevölkerung kennengelernt. Daran knüpfte er mit Aktion Sodis an und brachte seine Kenntnisse aus Bolivien ein. Seit Studienbeginn folgten drei weitere Aufenthalte in dem Andenstaat und doch waren die Geschehnisse dieses Jahres für ihn neu.

Micha unterstützt beim Bau von Kochstellen. Durch diese simple Konstruktion wird die Rauchbelastung in der Atemluft reduziert.

Im Oktober fand in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt, auf die nach einem umstrittenen Wahlausgang landesweite Proteste folgten. In den Städten kam es zu flächendeckenden Blockaden, Straßensperrungen und Versammlungen. Viele Geschäfte stellten ihre Arbeit vorübergehend ein und die Märkte blieben geschlossen. Auch auf Fernstraßen zwischen den Städten kam der Verkehr aufgrund der Blockaden zum Erliegen. „In den Städten stand alles still. Wochenlang konnte man sich nur zu Fuß fortbewegen. Über dem ganzen Land und besonders in Großstädten lag eine bedrohliche Spannung. Es gab wilde Gerüchte und Spekulationen, was in den nächsten Tagen passieren soll. Die ungewisse Zukunft des Landes und die Angst vor einer Diktatur hat viele Menschen auf die Straßen gebracht“, so beschreibt Micha seine Beobachtungen während der Proteste. Die Projektarbeit war über Wochen nur eingeschränkt möglich und angesichts der nahenden Regenzeit nahm der zeitliche Druck zu, die Teilprojekte sinnvoll abzuschließen. Zusammen mit dem Team der Schwesterorganisation Fundación Sodis gelang es den Helfern aus Aachen, das Beste aus der Situation zu machen und alle größeren Transporte zu stemmen, bevor die Flüsse wegen des beginnenden Regens so hoch standen, dass die Straßen in die abgelegenen Andendörfer unpassierbar wurden.

Anders als 2017 gehört Händewaschen heute zum Alltag. Schulungen fördern das Hygienebewusstsein der Landbevölkerung.

Micha ist mit dem Erfolg der Arbeit zufrieden: „Der Abschluss der Reise war dieses Jahr mit allen Einschränkungen schwierig, auch wenn wir uns im Vorfeld auf die politische Lage und die beginnende Regenzeit eingestellt hatten. Wir haben unsere Ziele erreicht, aber wir haben darum auch gezittert.“ Und was nimmt er von seinem diesjährigen Aufenthalt mit? „Ich bin davon überzeugt, dass Menschen in Bolivien lernen können, ihre alltäglichen Probleme selbst anzugehen. Wir wollen sie begleiten und dabei ihre Eigeninitiative und ihr Selbstvertrauen stärken. Dann werden diese Erfolge sichtbar. Diese Haltung zu vermitteln, lerne ich in Bolivien immer wieder neu.“

Da Micha unsere Projekte schon seit Jahren begleitet und schon 2017 am Bau von Kochstellen in der Region beteiligt war, konnte er bei seinem diesmaligen Aufenthalt echte Veränderungen beobachten. So beschreibt er, was sich in den letzten Jahren getan hat: „Für mich war die Selbstverständlichkeit beeindruckend. Jetzt ist beispielsweise der Schulgarten Teil des Alltags geworden, die Schüler waschen sich die Hände und gekocht wird mit der Schulkochstelle. Als wir ankamen, wurde uns gleich eine Mahlzeit zubereitet und Milch gekocht.“

Das traditionelle Ayni-System
In der nächsten Projektphase wird der traditionelle Ayni-Ansatz verankert – eine partizipative Philosophie zum Aufbau und zur Weitergabe von Wissen: Gemeinschaftlich wird ein Projekt durchgeführt und im Anschluss werden die Helfer zu einer Feier oder einem Essen eingeladen.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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