Voller Einsatz für Micani – Interview mit einem Lokalexperten

Voller Einsatz für Micani – Interview mit einem Lokalexperten

Bald ist es zwei Jahre her, dass das Sozialunternehmen CAMCEC von unseren Lokalexperten gegründet wurde, um lokal Bauteile für rauchfreie Kochstellen und Trenntoiletten herstellen zu können. Im Interview berichtet Cancio Coñaca, wie er Lokalexperte und Gründungsmitglied von CAMCEC wurde und wie er die Entwicklungen erlebt hat.

Cancio lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in der Gemeinde Ipote im Distrikt Micani. Der junge Bauer ist selbst Lokalexperte und einer der Mitgründer des Sozialunternehmens CAMCEC. Die 45 Familien in seinem Heimatdorf leben von der Landwirtschaft und erwirtschaften glücklicherweise genügend für die Ernährung der Familien. Im Rahmen des Projekts Sumaj Causay wurde Cancio von der Dorfgemeinschaft ausgewählt, um an den Schulungen zum Lokalexperten teilzunehmen. „Wir lernten, wie man die Bakterien im Wasser vor dem Trinken tötet und wie man sparsame Waschbecken zum Händewaschen baut. In den Schulungen ging es auch um die Praxis des Händewaschens, den Bau von ökologischen Toiletten und Kochstellen, und in letzter Zeit auch um den Bau von Schulgärten und die Installation von Tröpfchenbewässerungsanlagen […] geschult. Zuletzt haben wir den Aufbau von Familienunternehmen und den Anbau der Tara-Pflanze gelernt.“, erzählt Cancio stolz.

„Wir haben gelernt, dass sauberes Trinkwasser, das Praktizieren des Händewaschens, die Benutzung von Toiletten und das Kochen an den neuen Kochstellen unser Leben leichter macht. Denn wir sehen, dass unsere älteren Kinder und besonders auch die kleineren keinen Durchfall mehr bekommen. Ich konnte genau beobachten, wie meine wawas (Kind), vor allem das k’epi (minderjähriges Kind auf dem Rücken der Mutter), und meine Celia (Frau) nicht mehr weinen, keine roten Augen mehr haben und weniger krank sind (weniger husten).“

Die Lokalexperten wurden geschult und mit Werkzeugen wie Maurerkelle, Hammer und Maßband ausgestattet, um die Familien in ihren Heimat- sowie Nachbargemeinden beim Bau von ökologischen Toiletten und Kochstellen zu unterstützen. Außerdem geben die Lokalexperten ihr Wissen über die Benutzung dieser Techniken an die übrigen Gemeindemitglieder weiter.

Lokale Fertigung in Micani durch CAMCEC

Von Bedeutung ist, dass diese Toiletten und Kochstellen, die Wasserfilter und Händewaschstation instandgehalten werden und konstant funktionieren. Dazu werden oft Ersatzteile und Hilfe bei der Reparatur benötigt. Um den Familien die beschwerliche Reise in die Stadt (nach Cochabamba oder Potosí) zu ersparen und die Ersatzteile lokal verfügbar zu machen, hat eine besonders engagierte Gruppe der Lokalexperten mit Hilfe der Projekttechniker und Freiwilligen aus Deutschland ein Sozialunternehmen gegründet, das CAMCEC genannt wurde.

Dieses Unternehmen nimmt sich der Aufgabe an, Teile für die rauchfreie Kochstellen wie das Kaminrohr, die Brennholzablage und weitere Bauteile zu produzieren. Außerdem ist CAMCEC zur Verteilerstelle für die „Kerzen“ der Wasserfilter, Händewaschstationen und zunehmend auch für das Saatgut für die Schulgärten geworden.

Die Werkstatt und das Lager unter neuem Dach

In den ersten Monaten war die Werkstatt in einen Behelfsgebäude untergebracht. Das war keine Ideallösung für die Installation und die Aufbewahrung der Arbeitswerkzeuge, doch nun wird sich die Situation ändern, erzählt Cancio: „Zu unserer Freude hat uns Ingenieure ohne Grenzen beim Aufbau unserer eigenen Werkstatträumlichkeiten unterstützt. Wir bauen dieses Haus gerade auf. Mit diesem Haus können wir unsere Werkzeuge besser [aufbewahren und sicher nutzen], um für die Familien benötigte Bauteile herstellen. Es wird einfacher sein, die Familien bei der Installation neuer Technologien und bei der Reparatur […] zu unterstützen.

Abschließend möchte ich sagen, dass wir uns weiterhin fortbilden, um unsere eigenen Gemeinden, anderen Gemeinden in unserem Distrikt und im gesamten Bezirk San Pedro de Buenas Vista sowie hoffentlich auch irgendwann in anderen Bezirken zu unterstützen.“

Das traditionelle Ayni-System
In der nächsten Projektphase wird der traditionelle Ayni-Ansatz verankert – eine partizipative Philosophie zum Aufbau und zur Weitergabe von Wissen: Gemeinschaftlich wird ein Projekt durchgeführt und im Anschluss werden die Helfer zu einer Feier oder einem Essen eingeladen.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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