Strenge Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 in Bolivien

Strenge Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 in Bolivien

Auch in Bolivien breitet sich das Coronavirus aus und die Regierung hat strenge Einschränkungen vorgenommen. Bisher wurden in Bolivien 950 Infizierte gezählt und 80 Personen sind an dem Virus verstorben, die Zahl der Genesenen liegt bei 50 (Stand Bolivianische Regierung: 27.04.2020). Besonders betroffen sind die Städte Santa Cruz und La Paz, während für Cochabamba und Potosí, wo unsere Projektarbeit stattfindet, vergleichsweise niedrige Zahlen vorliegen. Verstärkt arbeiten unsere Teams in Bolivien und Deutschland nun daran, Vorkehrungen zu treffen und die Bevölkerung in Micani angesichts der Bedrohnung durch die Pandemie zu unterstützen.

Die ersten zwei Fälle wurden am 10. März bekannt. Es handelte sich um zwei Frauen, die aus Europa eingereist waren. Als kurz darauf weitere Fälle bestätigt wurden, folgten die ersten Einschränkungen: Die Bildungseinrichtungen wurden geschlossen und Flüge zwischen Europa und Bolivien abgesagt. Die Bevölkerung war verunsichert und aus Angst vor Ansteckung wurde mancherorts kranken Menschen die Behandlung in Krankenhäusern verwehrt, was die Regierung am 13. März unter Strafe stellte: Auch bei Corona-Verdacht muss medizinische Hilfe geleistet werden.

Wegen vermehrter Fälle wurde am 16. März mit Oruro die erste bolivianische Stadt unter Quarantäne gestellt. Bald kam es landesweit zu Einschränkungen der Arbeitszeiten und der Bewegungsfreiheit: Internationale Flüge wurden gestrichen und der Transport zwischen Departments und Provinzen verboten, einzig der Warentransport wurde von den Beschränkungen ausgenommen. Zwischen 17:00 Uhr und 5:00 Uhr am Morgen fuhr kein Öffentlicher Personennahverkehr mehr in den Städten.

Lebensmittelausgabe in San Pedro de Buena Vista (Bild: Gam San Pedro BV Charcas)

Totale Quarantäne und Gesundheitsnotstand

Als viertes lateinamerikanisches Land verordnete Bolivien schließlich nach Argentinien, Kolumbien und Honduras eine „Totale Quarantäne“. Zu diesem Zeitpunkt waren 19 bestätigte Corona-Fälle bekannt. Die Einschränkungen bedeuteten für viele Familien, die beispielsweise vom Straßenverkauf leben, den Einbruch ihrer Einnahmen und sie sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Regierung beschloss am 18. März erste staatliche Unterstützungen für einkommensschwache Familien.

Die nationalen Wahlen, die für den 3. Mai vorgesehen waren, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Seit es aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Wahl im Herbst 2019 zu anhaltenden Protesten gekommen war, regiert Übergangspräsidentin Jeanine Áñez den plurinationalen Staat.

Am 25. März rief Añez den Gesundheitsnotstand aus, da sich Teile der Bevölkerung über die ergriffenen Maßnahmen hinwegsetzten: Die Bewegungsfreiheit wurde weiter beschränkt, entsprechend der Endziffern der Personalausweisnummer durften die bolivianischen Bürger nun nur noch einmal pro Woche ihr Haus verlassen, um Besorgungen zu machen. Nur Fahrzeuge der Polizei, des Militärs und des Gesundheitswesens durften fahren, die Öffnungszeiten der Märkte wurden beschränkt und die polizeilichen und militärischen Kontrollen verstärkt. Lebensmittelpakete wurden an mehr als 1,5 Mio Menschen ausgegeben. Andauern sollen die Restriktionen noch bis zum 30. April.

Desinfektion des Hauptplatzes in Micani (Bild: Gam San Pedro BV Charcas)

Covid-19 noch nicht in unserer Projektregion Micani

Unsere Techniker Miguel, Antonia und Liliana befinden sich derzeit in Micani und durch die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit besteht derzeit keine Möglichkeit, dass sie sich zwischen dem Büro der Fundación Sodis in Cochabamba und der Projektregion bewegen. Allerdings sind Warentransporte zwischen beiden Orten durch die Unterstützung der Lokalregierung weiter möglich: Es wurden Grundnahrungsmittel an alle Gemeinden verteilt und Hygieneartikel wie Handschuhe und Seifen von der Fundación Sodis in die Projektregion transportiert.

Dort wird die Einhaltung der strikten Ausgangssperre von der Polizei überwacht und die Straßen der Gemeinden werden desinfiziert. Durch die Fundación Sodis wurde eine Handwaschanlage mit einem 600-Liter-Tank im lokalen Gesundheitszentrum installiert, außerdem kleinere WASH-Stationen bei der Bank und auf den beiden Hauptplätzen in San Pedro de Buena Vista. Antonia arbeitet mit den Lehrern der Dorfschulen an einem Konzept, um Social Distancing und Hygienemaßnahmen in den Schulalltag zu integrieren, der voraussichtlich ab Mitte Mai beginnt. Darüber hinaus werden sogenannte cuñas (Radiospots) auf der indigenen Sprache Quechua gesendet, um über das Coronavirus und Hygienemaßnahmen aufzuklären. Zum Schutz vor Tröpfcheninfektion arbeiten wir derzeit an Anleitungen zum Nähen von Mundschutzmasken, um sie der lokalen Bevölkerung zugänglich zu machen.

In Micani gehört Händewaschen für viele der Bewohner noch nicht zur Tagesroutine und durch das Kochen an offenen Feuern leiden viele an anhaltendem Husten und Vorerkrankungen des Atmungssystems. Dadurch wären sie bei einer Infektion mit dem Virus besonders gefährdet. Um die einzige Krankenstation des Municipio (Landkreis) in San Pedro de Buena Vista zu erreichen, müssen die Bewohner der umliegenden Hügeldörfer stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen. Zum Glück gibt es in der Region bisher keine bestätigten Fälle von Covid-19. Wir hoffen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus bald flächendeckend Anwendung finden und es zu keinem Corona-Ausbruch in diesem sensiblen System kommt. 

Voller Einsatz für Micani
Vor zwei Jahren haben unsere Lokalexperten das Sozialunternehmen CAMCEC gegründet, um lokal Bauteile für rauchfreie Kochstellen und Trenntoiletten herzustellen. Im Interview berichtet Cancio Coñaca, wie er Lokalexperte und Gründungsmitglied von CAMCEC wurde und wie er die Entwicklungen erlebt hat.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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