Dramatische Auswirkungen der Pandemie in Bolivien

Dramatische Auswirkungen der Pandemie in Bolivien

Während in Europa nach Monaten der Quarantäne die Menschen wieder auf die Straße können, Familien in die Ferien fahren und die wiedergewonnene Freiheit nutzen, so sieht die Lage in Bolivien ganz anders aus. Dort ist jetzt Winter, und trotz vieler Monate im Lockdown steigen die Fallzahlen wie in anderen südamerikanischen Ländern in den letzten Wochen exponentiell. Auch nach vier Monaten strengster Maßnahmen normalisiert sich das Leben in Bolivien nicht – denn jetzt werden die fatalen Auswirkungen der Pandemie bemerkbar. 

Mit 49.250 gemeldeten Fällen und 1866 Todesfällen (Stand: 14.07.2020) stößt das bolivianische Gesundheitssystem an seine Grenzen. Menschen werden an Krankenhäusern abgewiesen, und die Versorgung mit Beatmungsgeräten ist gering. Korruption im Gesundheitswesen und eine hohe Dunkelziffer an Erkrankten verschlimmern die Situation noch. Aus der Gesundheitsstation von San Pedro de Buena Vista, die auch die Dorfgemeinden im Distrikt Micani abdeckt, berichtet Doctora Mirtha, dass es keine Intensivbetten gibt. Im Falle einer Erkrankung sind die Menschen hier also ungenügend versorgt. Das ist bedenklich, denn viele von ihnen gelten als Risikopatienten. Durch die hohe Rauchbelastung in ihren Hütten haben viele Menschen vorgeschädigte Lungen (mehr dazu im letzten Beitrag). Auch die Mangelernährung wird für sie zum Gesundheitsrisiko. In Bolivien ist die interregionale Versorgung mit Waren momentan durch den strengen Lockdown schwierig. Schulkinder zum Beispiel sollen eigentlich das Schulessen nun nach Hause erhalten, doch die Verteilungsketten funktionieren oft nicht. Weil 75 % der Einwohner Boliviens von der Hand in den Mund leben, haben sie bei ausbleibendem Verdienst in der Quarantäne auch keine Möglichkeit, Essen einzukaufen.

Inmitten dieser dramatischen Verschlechterung der Lage sehen wir unsere Aufgabe als ortsansässig vernetzte Hilfsorganisation, schnell und effizient Nothilfe anzubieten.

Bisher haben wir Waschstationen an zentralen Orten aufgestellt und Hygiene-Artikel wie Seife, Wassertanks oder Handschuhe der Lokalregierung und der Gesundheitsstation bereitgestellt. Weiterhin schulen wir mithilfe von kooperierenden, erfahrenen Ärzten das Personal der Gesundheitsstation in San Pedro de Buena Vista im Umgang mit Covid-Patienten. Außerdem bieten wir auch für das Personal der Lokalregierung und für unser Team vor Ort Fortbildungen und Beratungen an.

Die zwei gravierendsten Probleme für die Menschen in Micani sind das fehlende Einkommen und die mangelhafte Ernährung.

Deshalb sind wir gerade dabei, eine Maskenproduktion in Micani aufzubauen. Mit unserer Hilfe werden dort Nähmaschinen und Stoff zur Verfügung gestellt, damit Frauen aus dem Dorf Masken nähen und diese dann verkaufen können. Damit hoffen wir, das Einkommen von einigen Familien aufzubessern.

Vor allem die Kinder leiden unter der langanhaltenden Mangelernährung. Neben dem weiteren Ausbau unserer Schulgärten, in denen Schüler selbst Gemüse anbauen, wollen wir dazu beitragen, dass sie schnell mit wichtigen Proteinen versorgt werden können. Dafür werden wir eine Zucht von Kleintieren wie Meerschweinen oder Hühnern, die in Südamerika schon eine lange Tradition haben, aufbauen, um die Ernährungssicherheit dieser verwundbaren Gruppe sicherzustellen.

Unsere Mitarbeiter vor Ort arbeiten intensiv daran, Lösungen für die vielen strukturellen Probleme zu finden, die durch die Pandemie weiter verschärft werden. Manche ihrer Aufgaben kann das Team vor Ort momentan nicht wahrnehmen, weil es durch den totalen Lockdown ortsgebunden ist. Viele Menschen haben auch keinen dauerhaften Zugang zum Internet, was eine Kommunikation schwierig macht. Viele Schulkinder haben momentan keine Möglichkeit, Bildung zu erhalten.

In Deutschland gehen die Menschen ihrer Arbeit nach und viele Kinder können wieder die Schulbank drücken, während in Bolivien der Lockdown bestehen bleibt und die Fallzahlen sich überschlagen. Genau in dieser Situation wollen wir dort helfen, wo die Hilfe am nötigsten ist.

Voller Einsatz für Micani
Vor zwei Jahren haben unsere Lokalexperten das Sozialunternehmen CAMCEC gegründet, um lokal Bauteile für rauchfreie Kochstellen und Trenntoiletten herzustellen. Im Interview berichtet Cancio Coñaca, wie er Lokalexperte und Gründungsmitglied von CAMCEC wurde und wie er die Entwicklungen erlebt hat.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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