Projektarbeit und Wissenschaft: Kochstellen für Micani werden an der TH Köln optimiert

Projektarbeit und Wissenschaft:

Kochstellen für Micani werden an der TH Köln optimiert

In Micani, im bolivianischen Andenhochland, kochen die Familien traditionell an offenen Feuerstellen. Nicht allein die Suche nach Feuerholz wird in der kargen Berglandschaft zur Herausforderung, schwerer wiegt das gesundheitliche Risiko, das das tägliche Kochen am offenen Feuer aufgrund der hohen Rauchbelastung birgt. Um diese Probleme anzugehen, entwickelten bolivianische BerufschülerInnen im Rahmen unseres Projektes „Bildung bleibt“ vor einigen Jahren erste Prototypen einer sogenannten rauchfreien Kochstelle, einen einfachen Lehmherd mit Kamin. Seither bemühen wir uns darum, diese Technologie möglichst allen Familien des Distrikts zugänglich zu machen. An der Technischen Hochschule Köln sind ebendiese rauchfreien Kochstellen nun zum Gegenstand eines forschungsorientierten Moduls geworden.

Rund 70 Studierende belegen das Wahlpflichtfach „Computational Fluid Dynamics“ (englisch für Numerische Strömungssimulation) bei Prof. Dr. Claudia Ziller vom Lehrgebiet für Strömungslehre. Sie studieren Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Green Building Engineering, Erneuerbare Energien oder Rettungsingenieurwesen und erlernen in dem Kurs, wie Strömungen numerisch berechnet und abgebildet werden können. Zunächst werden sie an die Theorie, die Möglichkeiten und Grenzen der Strömungssimulation herangeführt und erlernen den Umgang mit der notwendigen Software. Es folgt das praktische Arbeiten mit dem Programm anhand eines konkreten Beispiels: Zwei Projekte wurden den Studierenden zur Auswahl gestellt und drei Viertel entschieden sich dazu, unsere rauchfreien Kochstellen zu erforschen und weiterzuentwickeln.

Prof. Dr. Ziller vom Lehrgebiet für Strömungslehre der TH Köln

Im Sinne einer wissenschaftlichen Arbeitsweise war es Aufgabe der StudentInnen, eine eigene Forschungsthese zu formulieren und ein konkretes Optimierungsziel auszuarbeiten. In Kleingruppen machten sich die Kursteilnehmer ans Werk, definierten ihren Forschungsgegenstand und entwickelten die Simulationen. Doch mit welchen konkreten Fragestellungen beschäftigen sich die angehenden Ingenieure? Welche innovativen Konzepte entwickeln sie für unsere Low Tech-Kochstelle? Ein Ansatz ist z.B. die Optimierung des Wärmeeintrags in die Töpfe durch alternative Formen der Wärmeübertragung, wodurch Brennholz eingespart werden könnte. Eine andere Gruppe untersucht die interne Strömungsführung, um die erwärmte Luft möglichst lange im System zu halten und die Speichermassen effizient zu erwärmen. Bis Mitte Februar haben die Studierenden Zeit, ihre Ideen zu verfolgen und auszuarbeiten, um sie dann in einem Project Pitch und einem gemeinsamen Paper zu präsentieren. Schon jetzt ist erkennbar, dass sich durch das Knowhow der angehenden Ingenieure unsere Kochstellen optimieren lassen.

Prototypenbau an einer Berufsschule

Vorbereitung für den Kochstellenbau

Eine rauchfreie Kochstelle in Micani

Dass Entwicklungszusammenarbeit in dieser Form Einzug in die Lehre findet, sei eine Besonderheit, berichtet Prof. Ziller: „Das Projekt stellt einen neuen Aspekt im Studium dar, indem es Berührungspunkte schafft.“ Sie plane auch in Zukunft, Projekte anzustoßen, die im Zusammenhang mit unserer Arbeit in Bolivien stehen, so sei beispielsweise ein umfassendes Projekt mit Masterstudierenden zum Thema thermische Speicher angedacht. Wir freuen uns sehr über die Möglichkeiten, die uns durch diese qualifizierte Unterstützung eröffnet werden, und sind gespannt auf die Ergebnisse ihrer StudentInnen.

Ernährungsunsicherheit in Pandemiezeiten
„Coronavirus seems to feed voraciously on vulnerabilities.” Besonders die Schwächsten sind von den Folgen betroffen, denn die Corona-Pandemie droht zur Pandemie des Hungers zu werden. Die Stärkung lokaler Landwirte kann Baustein eines inklusiveren Ernährungssystem sein.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

Add Your Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Your Name *

Your Mail *

Your Comment*