Wertvoller Unterricht in Zeiten von Corona

Wertvoller Unterricht in Zeiten von Corona

Wie viele SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte in Deutschland momentan, macht sich auch Victor Rioja, Schulleiter des Instituto Tecnológico Sayarinapaj am Rande von Cochabamba, Sorgen um die Ausbildung an seiner Einrichtung. Normalerweise kommen an der Berufsschule, die unter anderem von der gemeinnützigen Organisation Fundación Cristo Vive Bolivia getragen wird, SchülerInnen aus unterschiedlichen Regionen Boliviens zusammen, um Berufe der Industriemechanik, Gastronomie, Landwirtschaft oder sozialen Arbeit zu erlernen. Für viele SchülerInnen aus einkommensschwachen Familien stellt dies wegen knapper Studienplätze an der staatlichen, kostenlosen Uni und hoher Studiengebühren an Privatunis, eine wichtige Alternative dar, um eine professionelle Ausbildung zu erlangen.

Derzeit ist der Unterricht jedoch nicht unter normalen Bedingungen möglich. Als Kompromiss wurde ein Semipräsenzformat gefunden – mit theoretischem Digitalunterricht und wenigen Praxisstunden in Kleingruppen. Victor, für den das Wohl der SchülerInnen immer im Mittelpunkt steht, hat dabei Bedenken, dass für sie die Qualität und der Nutzen der Ausbildung unter der Pandemie leidet. Er trat daher mit der Idee an uns heran, unser gemeinsames Projekt „Bildung bleibt“ dieses Jahr in einem digitalen Format weiterzuführen. Es sei wichtig, den SchülerInnen in dieser Situation die Chance auf Zusatzqualifikationen zu bieten und Perspektiven zu vermitteln – zwei Aspekte, die der achtteilige Projektkurs mit sich bringt.

Ein digitales Kursformat für Krisenzeiten

In den Einheiten erlernen die Teilnehmenden wichtige Techniken zu Planung und Umsetzung von Projekten. Dies geschieht nicht nur theoretisch, sondern anhand einer realen Aufgabenstellung der Entwicklungszusammenarbeit. So stellt die bolivianische Schwesterorganisation Fundación Sodis Daten aus dem

Feld zur Verfügung, auf Basis derer die SchülerInnen Bedürfnisse einer Gemeinde identifizieren, lokale Gegebenheiten prüfen und ein daran angepasstes Lösungskonzept entwickeln. Dabei arbeiten die SchülerInnen mit Hilfestellung der Lehrkraft eigenverantwortlich und können neben der praktischen Anwendung von Ausbildungsinhalten eine wertvolle Erfahrung mitnehmen – die Erfahrung mit ihren Fähigkeiten ein gestaltender Teil der Gesellschaft zu sein und anderen Menschen helfen zu können.

Dieses Jahr werden die Unterrichtseinheiten dazu erstmals digital stattfinden und losgelöst von der praktischen Umsetzung sein, die aufgrund der unsicheren Pandemiesituation nicht garantiert werden kann. Einen Auftakt für die virtuelle Zusammenarbeit gab es bereits vergangenen Samstag. Zur Weiterbildung der LehrerInnen unterstützte uns Ana de la Varga, Geschäftsführerin des HumTec der RWTH Aachen, mit einem Workshop zu „Design Thinking“. Kern dieses Entwurfskonzeptes ist die Empathie mit dem Nutzenden. So entstehen mithilfe dieser Methoden weltweit sehr gut angenommene Projekte vom Frühchenwärmer Embrace bis hin zu gamifizierten CT-Geräten, um Kindern die Angst vor dieser Diagnosemethode zu nehmen. Es war sehr schön zu sehen, wie die LehrerInnen in dem anschaulichen und interaktiven Workshop Grundsätze der bedarfsorientierten Projektplanung verinnerlichten und sich mit viel Motivation und Ideen beteiligten.

Vorbereitung auf einen Projektkurs der besonderen Art

In einem zweiten Teil wird Jeremy Maes von der Fundación Sodis über die örtlichen Gegebenheiten in Micani berichten und gemeinsam mit den Lehrkräften Themen sammeln, die im Rahmen des Projektes bearbeitet werden können. Anschließend können sich die LehrerInnen der Berufsschule entscheiden, an dem Projekt teilzunehmen und den Kurs mit ihren SchülerInnen durchzuführen. Ein bis zwei Ausbildungszweige werden dazu ausgewählt und erhalten unsere Unterstützung bei der Ausgestaltung des Projektunterrichts.

Wir sind gespannt und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Ernährungsunsicherheit in Pandemiezeiten
„Coronavirus seems to feed voraciously on vulnerabilities.” Besonders die Schwächsten sind von den Folgen betroffen, denn die Corona-Pandemie droht zur Pandemie des Hungers zu werden. Die Stärkung lokaler Landwirte kann Baustein eines inklusiveren Ernährungssystem sein.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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