Online Unterricht? - Kein Problem für uns!

Online Unterricht? – Kein Problem für uns!

 Es ist Frühjahr und Nina, Theresa, Lara, Andreas, Julia und ich (Sina) stecken mitten in den Vorbereitungen für den Startschuss unseres Projekts. Bildung bleibt, eins der ältesten Projekte, die es bei Aktion Sodis gibt, wird in diesem Jahr zum ersten Mal durch das Corona-Virus bedingt in digitaler Form umgesetzt werden. In diesem Kurs lernen SchülerInnen die Schritte der Projektentwicklung kennen, indem sie selbst ein Projekt von Bedarfserhebung bis Umsetzung gestalten. Wir sind gespannt, voller Erwartungen und wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob unsere geplante Umsetzung und die Zusammenarbeit mit den bolivianischen SchülerInnen in diesem Format so erfolgreich werden kann, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir sind uns auch darüber bewusst, dass eine Implementierung am Ende des Projekts nur stattfinden kann, wenn die das Infektionsgeschehen in Bolivien dies zulässt. Nichtsdestotrotz sind wir voller Freude, einen Weg gefunden zu haben, unser Projekt trotz der Pandemielage durchführen zu können und den bolivianischen BerufsschülerInnen eine Teilnahme an unserem Kurz zu ermöglichen.

Auch wir in Deutschland saßen bei unseren Planungstreffen an den Bildschirmen.

Bildung bleibt trotz Pandemie – die Vorbereitungen beginnen

Nach dem erfolgreichen Design Thinking Workshop mit einigen Lehrpersonen der bolivianischen Berufsschule Instituto Tecnológico Sayarinapaj, bei dem uns Dr. Ana de la Varga, die Geschäftsführerin des HumTec der RWTH Aachen unterstützt hat, wandten sich zwei interessierte Lehrende mit dem Wunsch an uns, den Projektkurs Bildung bleibt in ihren Berufszweigen umzusetzen: die Lehrerin des Bereichs Soziale Arbeit und der Lehrer des Gastronomiezweigs. Nach kurzer Überlegung stand für unser Team fest, dass wir gerne mit beiden LehrerInnen und deren Klassen zusammenarbeiten möchten. Dafür haben wir uns aufgeteilt, um auf beide Gruppen individuell eingehen zu können. Ab diesem Moment stand für uns eine nicht ganz stressfreie Zeit für die nächsten Wochen auf dem Plan. Der Unterricht musste im Team und in Absprache mit den LehrerInnen vorbereitet und natürlich durchgeführt werden.  

Ich selbst war bei den Gastronomen dabei und möchte euch ein paar kurze Einblicke der sechs Wochen geben.

Im „Bildung bleibt“-Kurs nehmen die Schüler sich einer Problemstellung im Leben der Bevölkerung des ländlichen Distrikts Micani an. Der Gastronomiekurs erarbeitete ein Projekt zur Bekämpfung der Mangelernährung auf dem Land, das am Ende des Kurses umgesetzt werden soll. Daher ist es wichtig, dass wir ihnen sowohl fachliches Wissen über Ernährung mit auf den Weg geben, als auch ein Bewusstsein für die Lebenssituation auf dem Land verschaffen.

Die Bewohner Micanis haben nur selten Zugang zu Märkten und leben von ihrem eigenen Gemüseanbau.

Vamos, chicos y chicas!

In unserer ersten Unterrichtseinheit haben wir die SchülerInnen und ihren Lehrer Wilson durch kleine Spiele zunächst ein bisschen kennengelernt, um eine gewisse Vertrauensbasis für die gemeinsame Zeit zu schaffen. Weiterhin haben wir ihnen die Ziele und die Schritte des Projektes vorgesellt und Meinungen, Erwartungen und Ideen ausgetauscht. Sie wirkten dabei genauso gespannt und erwartungsvoll wie wir. Nach dieser Einheit war uns jedoch schnell klar, dass die nächsten fünf Wochen eine aufregende und lehrreiche Zeit für uns alle werden würden.

Um uns der Ernährungsthematik zu nähern, haben wir gemeinsam Definitionen einer ausgewogen Ernährung erarbeitet und dabei Grundschemata wie die Ernährungspyramide und die Nährstoffe einzelner Lebensmittel angesprochen. Zusätzlich haben wir ihnen Methoden für eine gute Recherche an die Hand gegeben, damit die SchülerInnen möglichst selbstständig nach einer konkreten Projektideen recherchieren können. Dabei war uns sehr wichtig, dass das Projekt nicht nur nach unseren Vorgaben abgearbeitet wird, sondern dass die SchülerInnen den Weg zum Projektziel selbst aktiv mitgestalten. Die Rechercheergebnisse sollten danach vor uns und im Klassenverband vorgestellt werden. Wir waren begeistert von den Vorträgen, nicht allein die inhaltliche Ausarbeitung sondern auch die Art der Präsentation übertraf unsere Erwartungen.

Die Liste verfügbarer Lebensmittel ist kurz.

Kohlenhydrate sind verfügbar, alle anderen Nährstoffe fehlen in Micani.

Ein besonderer Kochkurs als Schritt gegen die Mangelernährung in Micani

Durch die Recherchearbeiten hat sich herauskristallisiert, dass die SchülerInnen gerne Rezepte an die Dorfbewohner Micanis weitergeben würden – Wissen, über das sie als angehende Gastronomen verfügen. Aufgrund fehlender Infrastruktur sind in Micani nur begrenzte Lebensmittel verfügbar, die meisten Familien leben von dem, was sie anbauen. Zwar ermöglichen die neuen Schulgärten den Anbau einer größeren Vielfalt an Gemüse, doch fehlt das Wissen über die Zubereitung. Die Schüler entschieden sich, einen Kochkurs zu gestalten und die Rezepte in einem eigenen Kochbuch festzuhalten. Dazu sollte unter anderem im Vorfeld überlegt werden, welche Zutaten in Boliviens ärmsten Distrikt Micani zur Verfügung stehen, damit die Rezepte ohne Schwierigkeiten nachgekocht werden können und das Wissen langfristig nutzbar bleibt. Aufgrund des verbreiteten Analphabetismus in der Region verzichtet das Kochbuch auf Schrift und setzt stattdessen auf eine fotografische Kochanleitung. Es wurde sich sehr viel Mühe gegeben und das hat uns gezeigt, mit welchem Einsatz die SchülerInnen hinter unserem und vor allem ihrem Projekt stehen. Die nachfolgenden Bilder zeigen zwei der vielen Rezeptideen, die uns vorgestellt wurden. Im Herbst sollen die SchülerInnen nach Micani reisen, um mit den Bewohnern zu kochen – darauf sind wir mindestens genauso gespannt wie sie.

Einige SchülerInnen zeichneten Rezepte.

Andere estellten fotografische Anleitungen.

Eine erfolgreiche Umsetzung eines digitalen Projekts in Bolivien

Zusammenfassend lässt sich aus meiner Sicht sagen, dass das Projekt Bildung bleibt auch in seinem digitalen Format ein großer Erfolg war. Wir hatten vor Beginn Bedenken, ob die Umsetzung des digitalen Formats wie geplant abläuft (zumal digitale Lehre und der private Zugang zu Internet in Bolivien keine Selbstverständlichkeit sind) und ob wir es schaffen, ohne persönlichen Kontakt mit den SchülerInnen und LehrerInnen gut zusammenarbeiten zu können. Das Engagement der beiden Lehrenden und das Interesse der SchülerInnen hat uns jedoch vom Gegenteil überzeugt. Es war eine tolle und wertvolle Erfahrung, die wir in diesem Projekt machen und durch die wir selbst viel dazu lernen durften. Besonders gefreut hat uns, dass die meisten SchülerInnen unseres Kurses Eigeninitiative und aktives Mitarbeiten an den Tag gelegt haben. Das hat uns gezeigt, dass wir unsere Projektziele zusammen gut erreicht haben und zusätzlich zu fachlichem Wissen noch Selbstständigkeit und Spaß vermitteln konnten.

Wertvoller Unterricht
Qulitativer, praxisorientierter Unterricht trotz digitaler Lehre? Dieser Herausforderung stellt sich derzeit unser langjähriger Partner, die bolivianische Berufsschule Sayarinapaj. Auch unser Projekt "Bildung bleibt" wird in diesem Jahr in ein digitales Format übersetzt. Im Mai geht es los!
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Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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