Monitoring für messbare Entwicklungsprozesse

Monitoring für messbare Entwicklungsprozesse

Ein wichtiger Bestandteil all unserer Projekte ist das Monitoring, also der stetige Abgleich zwischen den Zielen und dem aktuellen Stand der Projektaktivitäten.

Dies geschieht tagtäglich auf der informellen Mikroebene, beispielsweise, wenn ein Kochstellenbesitzer in Micani einen Lokalexperten konsultiert, weil seine Brennholzablage kaputt ist.

Auf der Makroebene wird das Monitoring durch das Lokalexpertennetzwerk möglich. Halbjährlich besucht jeder Lokalexperte und jede Lokalexpertin alle Familien, für deren Unterstützung er oder sie verantwortlich ist. Zusammen überprüfen sie den Zustand der WASH-Technologien, die Ernährungssituation und den Themenbereich der Gleichberechtigung. Bislang basierte dieser Prozess auf ausgefüllten Papierbögen, welche in die über 8 h entfernte Stadt Cochabamba transportiert, dort von einem Techniker digitalisiert, systematisiert und ausgewertet wurden. Anschließend traten die Ergebnisse wieder die Rückreise nach Micani an, um dort in die Projektarbeit einzufließen. Dies ist bei über 400 Familien a 12 Fragebögen nicht nur ein sehr hoher Aufwand für unseren lokalen Partner, die Fundación Sodis, sondern auch ein stark NGO zentrierter Prozess.

Digitale Lösungen für effizientes Monitoring

Durch die neue Monitoring-App können die Daten direkt von den lokalen Akteuren in Micani digital erhoben werden. Die Auswertung der Daten wird künftig in Echtzeit direkt vor Ort halbautomatisch erfolgen. Ein zentraler Kern unserer Arbeitsweise ist es lokale Akteure so zu befähigen, dass sie selbst als Projektkoordinatoren ihre Projekte leiten – dabei die Datenhoheit ist ein zentraler Bestandteil. Die App ist somit ein Baustein, um Abhängigkeiten im Monitoringprozess abzubauen und die NGO in diesem Schritt durch Selbststeuerung überflüssig zu machen.  Mit dem Feedback der Lokalexperten und -expertinnen aus der Pilotphase von vergangenem Herbst ist nun die neue Version der App fertiggestellt worden. In dieser können Fragebögen zu allen Projekten direkt digital eingegeben werden und Aufgaben, die sich aus den Monitoringergebnissen ergeben, festgehalten werden. An umfassenden Datenauswertungsfeatures wird von unserem Softwareteam aktuell gearbeitet.

In Bolivien haben seit Mai mehrere Schulungen der Lokalexperten und -expertinnen in der Nutzung der App stattgefunden und das Monitoring wurde in den ersten drei Gemeinden digital umgesetzt. Jeder Lokalexperte erhält zur Durchführung des Monitorings in seiner Gemeinde ein Handy als Leihgabe. Da die Kenntnisstände der Lokalexperten und -expertinnen mit digitalen Werkzeugen sehr unterschiedlich sind, wurde in kleinen Gruppen gearbeitet. Um den Zugang der App auch bei geringen Lese- und Schreibkenntnissen zu ermöglichen, wurde in den Fragebögen mit vielen Bildern gearbeitet. Das Tippen auf dem Smartphone war für einige Lokalexperten und -expertinnen, deren Hände bei der täglich Arbeit auf dem Feld stark beansprucht werden, eine feinmotorische Herausforderung, sodass dies künftig durch einen Handystift vereinfacht werden soll.

Entwicklungsimpulse durch digitale Vernetzung

Allgemein war die Resonanz der Workshops überwältigend, ein Lokalexperte äußerte den Kommentar „das wird mein Leben verändern.“  Zugegebenermaßen ist die Begeisterung der Lokalexperten nicht nur auf die Monitoring-App zurückzuführen:  In der andinen Berglandschaft sind die abgelegenen Gemeinden wegen unbefahrbarer Straßen teils nur mittels zweitägiger Fußmärsche zu erreichen. Die Möglichkeit eine Sprachnachricht ins nächste Dorf zu schicken, ohne die Wanderung auf sich zu nehmen, stellt eine große Veränderung dar. Der Handyempfang sei in Micani sogar besser als mancherorts in Deutschland, scherzte ein Mitarbeiter unserer Partner-NGO, der Fundación Sodis. Es mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, dass die Gemeinden über Handyempfang jedoch nicht über Zugang zu Wasser verfügen. Angesichts der steilen Abhänge, der tiefen Täler und hohen Gipfel der Anden kann man sich die Erklärung vorstellen: Ein stabiles Wasserversorgungssystem zu installieren oder Nahrungsmitteltransport in der bergige Landschaft Micanis sicherzustellen, wo die Straßen jedes Jahr in der Regenzeit weggespült werden, ist deutlich komplexer als einen Mobilfunkmast aufzubauen. Wir sehen in der neuen digitalen Komponente der Projekte ein riesiges Potential, die hohen logistischen Herausforderungen in die abgelegenen Gemeinden künftig auch durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten zu erleichtern. So wollen wir perspektivisch auch digitale Bildungsmaterialien in das digitale Portfolio mit aufnehmen.

Ein digitaler Projektkurs
Qulitativer, praxisorientierter Unterricht trotz digitaler Lehre? Dieser Herausforderung stellte sich in diesem Jahr unser langjähriger Partner, die bolivianische Berufsschule Sayarinapaj. Auch unser Projekt "Bildung bleibt" wurde in diesem Jahr in ein digitales Format übersetzt.
Helfen Sie mit!
Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstützen Sie unsere Entwicklungsarbeit mit Ihrer Spende und begleiten Sie alle Projektbeteiligten auf ihrem Weg!

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