Wirkung erfassen, Wandel bewirken

Wirkung erfassen, Wandel bewirken

Testphase: September 2019 - März 2020

Projektvolumen:  ca. 6.201 EUR

Partner: Feil, Feil & Feil

Digitalisierung als Schlüssel zum wirkungsorientierten Projektmanagement in der Entwicklungszusammenarbeit

Der Fortschitt mancher Technologien geht rasant voran – dies geht selbst an den entlegensten Orten dieser Welt nicht spurlos vorbei. Auf mancher Bahnstrecke in Deutschland sehnt man sich nach der Mobilfunkabdeckung, die inzwischen selbst die entlegensten Orten Boliviens mit dem Internet verbindet, und nach fünf Jahren Arbeit in Micani können wir mit Sicherheit feststellen, dass in diesem ländlichen, sehr abgelegenen Distrikt mehr Smartphones als Toiletten vorzufinden sind. Für
uns mag das erstaunlich klingen, für die betroffenen Menschen ist der Nutzen eines Smartphones aber leichter erkennbar als bspw. von sauberem Wasser. Woran es
hingegen mangelt sind elementare Dinge wie Hygiene, Nahrungsmittel und insbesondere Bildung. Es ist höchste Zeit, dass die Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit Einzug hält!

Die Verbesserung der Grundversorgung in 19 Gemeinden und an 14 Dorfschulen des Distrikts Micani gelingt nur dann auf nachhaltige Weise, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Eine Projektkoordinatorin, hauptamtliche AusbilderInnen und SozialarbeiterInnen arbeiten gemeinsam mit dem lokalen Personal des Gesundheits- und Bildungssektors daran, dass bis 2021 möglichst jede Familie Micanis über Zugang zu sicherem Trinkwasser, sanitärer Grundversorgung und rauchfreien Kochstellen hat, und daran, dass alle über die Vorzüge dieser Infrastruktur Bescheid wissen und deren Nutzung und Instandhaltung in ihren Alltag integrieren.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen ca. 20 Yachaqkuna – Frauen und Männer aus den Dörfern Micanis, die sich dem Ziel verschrieben haben, diesen Wandel in ihren jeweiligen Heimatdörfern wahr werden zu lassen (Yachaqkuna: in der lokalen Sprache Quechua bedeutet das Wort so viel wie „diejenigen, die Bescheid wissen“). Sie sind es, die gemeinsam mit ihren Nachbarn Trenntoiletten und rauchfreie Kochstellen bauen, Wasserfilter installieren und die korrekte Nutzung dieser neuen Infrastruktur lehren. Sie sind es, die gemeinsam mit ihren Dorfgemeinden die Umsetzung des Projektes in ihren Dörfern planen und im Verlauf die erzielte Wirkung überwachen. Diese dezentralen Strukturen sind in der Projektdurchführung und für die Akzeptanz essenziell, um die lokale Bevölkerung gestaltend in das Projekt einzubinden und ein Gefühl der Teilhabe zu schaffen.

Wie bei einem eingespielten Fußballteam gelingt der Erfolg nur dann, wenn sich jeder Mitspieler seiner Rolle bewusst ist, zugleich aber auch in der Lage ist, bezogen auf den eigenen Handlungsspielraum eigenständig Entscheidungen zu treffen. Die Jahrzehnte wirkungsloser Entwicklungshilfe, in der lokale Akteure nur als Nutznießer und Ausführende eines Projekts betrachtet wurden, mögen endlich der Vergangenheit angehören!

In unserem Projekt „Wirkung erfassen, Wandel bewirken“ findet die Digitalisierung in die Entwicklungszusammenarbeit Einzug. Von der Projektplanung bis hin zur Erfassung des Implementierungsfortschritts und der Messung der tatsächlichen Wirkung eines Projekts werden alle Informationen in einer Datenbank zusammengeführt. Dort werden sie automatisch, basierend auf modernen Methoden zur Wirkungsorientierung wie dem Logical Framework strukturiert und allen TeilhaberInnen am Projekt anschaulich aufbereitet zur Verfügung gestellt. So bleibt die Überwachung des Projektfortschritts und die laufende Messung der Projektwirkung nicht einem kleinen Team vorbehalten, das stichprobenartig wenige Frauen und Männer interviewt. Die Antworten von jeder Familienbefragung durch einen Yachaqkuna, die Beobachtungen einer Gesundheitshelferin oder die Ergebnisse jedes Monitoringbesuchs an einer Dorfschule – all diese Daten werden direkt in einen Fragebogen in der mobilen App eingegeben und in Echtzeit jedem Teilhaber unseres Projektes zur Verfügung gestellt.

So können nicht nur wir im Rahmen unserer Rolle als ProjektmanagerInnen statistisch fundierte Entscheidungen treffen: Jedem lokalen Akteur unseres Projektes, jeder Unterstützerin und jedem Unterstützer unserer Arbeit stehen diese Daten gleichermaßen zur Verfügung, um im Rahmen ihrer Rolle an der Entwicklung in Micani teilhaben zu können.

Damit diese Art zusammenzuarbeiten wahr werden kann, unterstützt uns der Ludwigsburger Softwarehersteller FFuF mit der Entwicklung der benötigten Software und einer mobilen App. Ab Oktober 2019 beginnt eine halbjährige Testphase, in der wir gemeinsam mit den Yachaqkuna und unserer lokalen Partnerorganisation Fundación Sodis die App im Feld testen werden. Danach hoffen wir, dass wir mit dem Ergebnis auch andere Organisationen, die unsere Vision einer dezentralen und wirkungsorientierten Entwicklungszusammenarbeit teilen, zu einer effektiveren Arbeitsweise verhelfen können.