Nachhaltige Landwirtschaft - Aktion Sodis

Nachhaltige Landwirtschaft

Gesunde Zukunft schenken

Projektlaufzeit: Januar 2022 – Dezember 2023

Projektvolumen: ca. 59.960 – 100.049 EUR

Partner: in Beantragung

Im 16. Jahrhundert kam die Kartoffel aus dem andinen Hochland nach Europa. Auch heute noch häufen sich in den üppigen, deutschen Supermarktregalen Lebensmittel aus Lateinamerika. Produkte wie Quinoa aus Bolivien sind für viele Menschen inzwischen fester Bestandteil des Speiseplans, der Trend des „Superfoods“ boomt.
Doch in den Ursprungsländern verschwinden genau diese Nahrungsmittel oftmals aus den Küchen der Menschen. Der Export steigert die Preise im Inland, die Klimakrise erschwert den Anbau für die lokalen Kleinbauern, gleichzeitig verändert sich das heimische Ernährungsverhalten. Die Wertschätzung für die vor Ort angebauten Lebensmittel sinkt, stattdessen hat der riesige Werbefeldzug internationaler Marken Softdrinks und Süßigkeiten selbst in die entlegensten Dörfer Boliviens gebracht.
Dabei ist die Vielfalt an traditionellen Speisen groß: In unser Projektregion Micani heißt eines dieser Gerichte „Uchu“ – ein scharfer Eintopf aus Lammfleisch mit Zwiebeln, Kartoffeln, Schoten, Karotten und Knoblauch.
Extremwetter, Dürren, Starkregen – die Klimakrise stellt die Landwirtschaft vor nie dagewesene Herausforderungen mit verheerenden Folgen für die weltweite Ernährungssicherheit. Was in Deutschland meist durch Wohlstand, Infrastruktur und internationalen Handel abgefangen wird, hat im globalen Süden verheerende Auswirkungen.
In der kargen, bergigen Landschaft der Cordillera Charcas, welche sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken scheint, liegt unsere Projektregion Micani. Ein trockenes Flussbett windet sich durch das felsige Hochland und verwandelt sich zur Regenzeit in einen reißenden Strom, der Straßen verschwinden lässt. Daher sind die 492 Familien Micanis fast alternativlos auf die lokale Landwirtschaft angewiesen. Dürrephasen werden länger und die Regenzeit unregelmäßiger, sodass die Bauern für ihre Aussaat manchmal wochenlang auf Regen warten müssen. Dies bedeutet nicht bloß monetäre Einbußen, sondern existenzieller Notstand.
Die Ernährungssituation ist demnach prekär, denn Obst und Gemüse können kaum noch angebaut werden. 32% der Kinder in ländlichen Gebieten sind chronisch mangelernährt. Neben dem stark reduzierten Angebot von nährstoff- und proteinreichen Lebensmitteln, führt gleichzeitig der zunehmende Verzehr kalorienreicher Gerichte zum Anstieg von Übergewicht und Adipositas. Studien belegen, dass die Top 3 der führenden Risikofaktoren für Mortalität bei der lokalen Bevölkerung mit der Ernährungsproblematik zusammenhängen.

In den letzten Jahren haben wir bereits Modellgärten an 16 Dorfschulen mit wassersparender Tröpfchenbewässerung realisiert. Um die Ernährungssituation langfristig zu verbessern, möchten wir neben Schulkindern nun auch mit ganzen Familien arbeiten.
Der erste Schritt liegt in der Vermittlung von Wissen. Alle Familienmitglieder, Männer wie Frauen, werden in das Schulungsprogramm integriert, das nachhaltige Landwirtschaft, Bewässerungssysteme, Kompostierung und gesunde Ernährung mit saisonalen und lokalen Lebensmitteln umfasst.
Nach erfolgreichem Abschluss geben wir unseren Schulungsteilnehmern die Möglichkeit, mit einem Startkapital ihre eigenen Hausgärten anzulegen. Je nach klimatischen Bedingungen und individuellem Bedarf, können sie ihre Gärten mit Bewässerungssystemen, Saatgut, Zäunen und Werkzeug ausstatten.
Lokale Techniker unterstützen sie dabei, das Problem kreativ mit einem hohen Grad an Eigeninitiative zu lösen. Das erlernte Wissen kann später auf andere Probleme übertragen werden.